Dienstag, 26. März 2013

MACHT DES MATERIALS

Oder „Macht der Masse” ohne Zelluloid, Papier, Materialschutzpelle frei flutend und unsichtbar. 


Foto: Katrin Eißing, 2003.

Mein Leben lang... allein, wenn ich mir die vielen Meter, die meine Träume immer überstiegen, abgewickelt vorstelle, überkommt mich stofflich begründete Verwirrung. Wahrscheinlich verknoten sich dabei Hirnwindungen. Diese gewickelten, schweren Rollen, aus denen tatsächlich Welten entstanden, haben mein Vertrauen in von Menschen gemachte Konstruktionen der Wirklichkeit schon sehr am Leben gehalten. Auch Horten von Beweisen handwerklichen Könnens in Materialform war toll. Auch wenn man an den sich verpixelnden Rändern im digitalen Berlinale-Trailer, schon vor dem Film sehen kann, dass er uns eigentlich nichts angeht, weine ich danach. Was bedeutet das?

Wir Menschen werden ja unsere Körper erst einmal behalten. Man kann den Unterschied sehr wohl wahrnehmen und schöner ist es nicht geworden. Es stimmt auch nicht, dass „die ganzen Informationen wie Fotos, Filme etc...” jetzt „für jeden” digital zugänglich sind, sondern im Gegenteil wird nur das, was auch digitalisiert wird sichtbar sein. (für wie lange und wo?) Ratlos, Vielleicht ist das zu verwickelt?...

Katrin Eißing


(Eingestellt von Christoph)

'PEAK' IM FSK


Hannes Langs Dokumentardebüt PEAK feiert am Donnerstag (28.03.2013) im Berliner Kino FSK um 18 h Premiere. Der Regisseur wird nach dem Film für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Ich kann den Film dringend empfehlen. Drei Bildbeschreibungen von Hannes Lang und seiner Ko-Szenaristin Mareike Wegener finden sich hier, hier und hier.

Christoph

Samstag, 23. März 2013

GRENZLINIEN


Drehort: Pitztaler Gletscher, Pitztal Tirol / Österreich
Kameraposition ca. 2850 Meter ü. d. M.

Es ist möglich, auf 3000 Metern Höhe einen ein Kilometer langen Stausee in den Berg zu sprengen. Durch den Einsatz von Helikoptern ist es möglich, an den steilsten Hängen Infrastrukturen und Liftsysteme zu installieren. Aus einer tief in den Berg eingelassenen computergesteuerten Schaltzentrale ist es möglich, alle Schneekanonen eines Skigebiets per Knopfdruck zu starten. Es ist möglich bei plus 30 Grad Celsius Kunstschnee zu erzeugen und Pisten zu schaffen, wo einst Gletscher waren. Die Gletscher vor dem Abschmelzen zu bewahren ist leider nicht möglich. 

Und so werden jeden Frühling die Überreste der Gletscherzungen mit weißen Fließmatten abgedeckt um sie vor der Sonne zu schützen. Wenn man die Matten im Spätherbst dann entfernt wird ein quadratisch zugeschnittener Eisdamm sichtbar, der sich drei Meter hoch vom gräulichen Gestein abhebt. Die kläglichen Überreste des „ewigen“ Eises wirken fast wie Fremdkörper, Reliquien der Vergangenheit, und zeigen eine befremdliche Übereinstimmung mit den vollkommen künstlich hergestellten weißen Flächen im Geröll, die der Snowmaker produziert. Dieser kann selbst im Hochsommer Schnee erzeugen, damit zumindest die Pisten immer befahrbar sind. 100 prozentige Schneesicherheit. So kann man dem Temperaturenanstieg und der Schneearmut gelassen entgegenschauen, sagt der Prokurist, während hinter ihm in tauben Klumpen der technische Schnee die Rutsche hinunterbröckelt.

Dokumentarfilme funktionierten schon immer als eine Art virtuelle Reise, auf der der Zuschauer mit einem Ort in ein Verhältnis gesetzt wird, das mehr oder weniger offensichtlich durch ein subjektives Erfahren des Filmemachers festgelegt wird. Dieser Ort ist die Landschaft, die das Thema des Filmes ist, das sich in tableauhaften Bildern vor dem Zuschauer entfaltet. Es geht nicht darum, ein Außen abzubilden um ein Inneres freizulegen. Nicht wenn dieses Innere sich daraus speist, Überwältigung, Rührung, Faszination oder Ehrfurcht auszulösen. Aber am Ende der Reise weiß man, dass das Konzept Alpen, als Urlaubs- und als Lebensraum, so instabil ist, wie die Menschen, die sich in ihr bewegen. Hannes Lang, Mareike Wegener 

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PEAK heißt Hannes Langs Dokumentardebüt, das am 28.03.2013 ins Kino kommt. Ein Film, der die zerstörerische Logik des Konsums am Beispiel der Alpen zeigt, zugleich aber einen Sinn hat für die Schönheit des Falschen. Wir haben Hannes Lang und seine Ko-Szenaristin Mareike Wegener gebeten, drei Bilder aus dem Film näher zu beschreiben. 

Dritter und letzter Teil. Teil 1, Teil 2.

(Eingestellt von Christoph)

MENSCH IN DER LANDSCHAFT


Drehort: Rettenbachgeltscher, Sölden Tirol / Österreich
Kameraposition 2919 Meter ü. d. M.

Der Rettenbachgletscher in Tirol liegt auf ca. 3000 Metern Meereshöhe und seine Eisschicht hat sich in den letzten 30 Jahren halbiert. Der Gletscher ist ein Skigebiet und um als solches zu funktionieren ist der Einsatz von Technik nötig – und Kunstschnee, sehr viel Kunstschnee. Dies erklärt uns an einem Abgrund stehend der Sprengmeister. Neben ihm tut sich ein riesiger Krater auf: der zukünftiger Speichersee. Die umliegende Bergwelt ist in dichten Nebel gehüllt. In der Landschaft wird der Mensch sichtbar, wenn er sich durch extremen physischen Aufwand mit der Natur verwickelt, egal ob er dabei etwas errichtet oder zerstört oder beides gleichzeitig. Die Alpen sind aber auch ein Lebensraum, durch den sich seine Bewohner bewegen. Die Menschen, die in ihr arbeiten, werden als Teil von ihr abgebildet, in ihr inszeniert, durch sie definiert. Es wird die gleiche Distanz beibehalten, wie in der Betrachtung der Landschaft und trotzdem entsteht Nähe. Manchmal sprechen die Protagonisten wie fremdgesteuert von technischen Abläufen, manchmal sind sie wütend oder traurig. Oft sind sie abgeklärt und in ihre Sprache mischt sich Resignation. Ihnen wird viel Raum zugesprochen, nicht nur weil das Bild ihre Umgebung mit einbezieht, sondern auch, weil innerhalb der Statements nicht geschnitten wird. Sie dürfen Umwege machen, abschweifen und ausreden. Mit jedem Protagonisten wurden Vorgespräche geführt, bei denen sich ein Thema herauskristalisierte. So konnte ein zum Inhalt passender Ort gefunden werden, der in irgendeiner Weise mit dem Gesagten korrespondiert. Dass muss nicht zwingend ein Ort sein, an dem der Protagonist sich wohl fühlt. Manchmal werden sie zu Fremdkörpern in der Landschaft, wirken deplatziert wie die großen Bauten der Freizeitanlagen. Dann kommt ein Gefühl der Künstlichkeit, der Inszenierung auf.
Hannes Lang, Mareike Wegener

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PEAK heißt Hannes Langs Dokumentardebüt, das am 28.03.2013 ins Kino kommt. Ein Film, der die zerstörerische Logik des Konsums am Beispiel der Alpen zeigt, zugleich aber einen Sinn hat für die Schönheit des Falschen. Wir haben Hannes Lang und seine Ko-Szenaristin Mareike Wegener gebeten, drei Bilder aus dem Film näher zu beschreiben. Teil 1 findet sich hier, Teil 3 folgt alsbald.

(Eingestellt von Christoph)

CARGO #17


Das neue Cargo-Heft ist erschienen. Aus dem Inhalt: 


Whit Stillman im Gespräch ++ Was von der Berlinale 2013 bleibt ++ Spuren eines Dritten Kinos ++ Werkporträt Albert Brooks  ++ Petra Tschörtner ++ David Gatten ++ Jonas Mekas ++ Alain Resnais ++ Harmony Korine ++ Foucaults Medientheorie ++


Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis findet sich hier, Verkaufsstellen dort, und natürlich kann man Cargo auch abonnieren.

P.S.: Revolver-Mitherausgeber Franz Müller schreibt über eine Episode LOUIE von Louis C.K.

(Eingestellt von Christoph)

Mittwoch, 20. März 2013

STIMMEN ÜBER DEM BILD



Sehenswert: 
Cutter Billy Weber spricht über die Evolution des Voiceovers als Erzählmittel bei Terrence Malick.

via

(Eingestellt von Christoph)

BERGBILDER


Drehort: Rettenbachgletscher, Sölden Tirol / Österreich
Kameraposition 3340 Meter ü. d. M.

Diese Bergkette in den Ötztaler Alpen ist massiv und majestätisch und an ihrem Fuße eröffnet sich ein schwarzes Loch mit 405.000 Kubikmetern Fassungsvermögen. In der weiten Aufsicht scheint das kinematografische Bild den menschlichen Blick zu imitieren, einen Überblick zu verschaffen. Doch was das Bild eigentlich auslöst ist ein Gefühl extremer Distanz zum dokumentarischen Subjekt. Zum einen, weil durch die Kadrierung und die Regungslosigkeit der Kamera die Idee zurückgewiesen wird, man könne durch Bilder die Landschaft als Ganzes erfahrbar machen, zum anderen, weil dieses schwarze Loch im unteren Drittel stört wie der Krach einer Baustelle. Ebenso wie Phänomene der unbelebten Natur – die hier offensichtlich mit großem Aufwand ruiniert wird – als Manifestation eines Übermenschlichen gelten, so existiert eine ganz ähnliche Ehrfurcht vor massiven Eingriffen durch Menschenhand, die es in ihrer Gewaltigkeit mit der Natur aufnehmen können. Wenn wir uns dabei ertappen, von Zerstörung fasziniert und überwältigt zu sein, wird sie zur Attraktion; Die sich in den Berg fressende technische Aufrüstung wird zur Sehenswürdigkeit. In ihrer Abbildung wird die Welt in ihrer Brüchigkeit, ihrem Verfall sichtbar. Ein solches Bild lässt sich nicht zufällig einfangen. In einer achtmonatigen Recherche wurden jene Orte aufgesucht, die genannte Parameter aufzuweisen versprachen. Über 40.000 Kilometer wurden im gesamten Alpenraum zurückgelegt, und viele weitere Kilometer zu Fuß um schwer erreichbare Perspektiven zu entdecken. Während der Vorbereitung wurde jede Landschaft auf ihre Cinemascope-Tauglichkeit geprüft und Fotos möglicher Kameraeinstellungen gemacht, so dass zum Zeitpunkt des Drehs die Auswahl bereits getroffen war. Dennoch hat es ganze drei Stunden gedauert das oben gezeigte Bild zu drehen. Durch den benötigten Aufwand wurde der Dreh sehr verlangsamt, was jedoch half, den Blick zu schärfen und sorgfältig zu arbeiten.
Hannes Lang, Mareike Wegener

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PEAK heißt Hannes Langs Dokumentardebüt, das am 28.03.2013 ins Kino kommt. Ein Film, der die zerstörerische Logik des Konsums am Beispiel der Alpen zeigt, zugleich aber einen Sinn hat für die Schönheit des Falschen. Wir haben Hannes Lang und seine Ko-Szenaristin Mareike Wegener gebeten, drei Bilder aus dem Film näher zu beschreiben. 

Teil 2 und 3 folgen alsbald.

(Eingestellt von Christoph)

Dienstag, 19. März 2013

LAS NAVES!


Heute haben wir Julieta Mortati aus Buenos Aires getroffen und mit ihr die Fahnen der ersten Ausgabe von LAS NAVES besprochen, einer neuen argentinischen Filmzeitschrift die sie gegründet hat und mit der wir kooperieren. LAS NAVES wird im April auf dem BAFICI vorgestellt und einige Revolver-Manifeste aus Heft 26 enthalten sowie Manifeste aus Südamerika, von denen wir wiederum eine kleine Auswahl drucken werden. Lang lebe die deutsch-argentinische Freundschaft! Lang lebe LAS NAVES!


Christoph

Samstag, 16. März 2013

OHNE WORTE


Anzeige im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung von gestern

(eingestellt von Franz)

p.s.: Einen schönen Text zum Politischen im Film hat Ulrich Köhler vor ein paar Jahren geschrieben. Zu lesen gibt es ihn hier.

Freitag, 15. März 2013

LUCKY LOUIE



Ich habe vor ein paar Tagen zu meiner großen Freude festgestellt, dass man auf Youtube die komplette Sitcom "Lucky Louie" sehen kann. "Lucky Louie" ist in gewisser Weise die Vorzeichnung zur wunderschönen Serie "Louie" von Louis C.K. . Ich bin mir inzwischen nicht mehr sicher, was mir besser gefällt: Zeichnung oder Malerei. Es ist wahrscheinlich auch egal. Das Tolle an der Sitcom ist, dass Pamela Adlon in jeder Folge mitspielt. Was hier über die Kleinfamilie verhandelt wird, ist bretthart und saulustig. Es ist erstaunlich, wie universell man erzählen kann, wenn man erst mal im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen runterlässt. Und dann muss man das natürlich auch noch so brutal und fein und liebevoll spielen wie die beiden. Ganz große Kunst auf jeden Fall, in der Tradition von Shaw, Twain, Vonnegut und allen großen Moralisten... einfach toll.

Franz

p.s.: zur Malerei nächste Woche ausführlicher im neuen Cargo Heft