Montag, 28. November 2011

ÜBERMORGEN IN PARIS: 'KLARAS MUTTER'

Zur Erinnerung: Am Mittwoch, den 30.11.2011 um 19.30 h zeigen wir im Kino des Goethe Paris Tankred Dorsts KLARAS MUTTER (D 1978). Einführung: Christoph Hochhäusler. 





Der ausführliche Post findet sich hier

(Eingestellt von Christoph)

GODARDLOOP





Kurz nachgetragen: seit einer Woche kann man auf Fandor Michael Bautes schönen „Godardloop” in Augenschein nehmen, nachdem das Projekt, das anlässlich des Grand Prix Design 2010 für Godard entstanden ist, zuvor nur für Züricher (im dortigen Museum für Gestaltung) zugänglich war. Die Videos versuchen Godards Werk aus einer Design-Perspektive zu beschreiben, in Kategorien wie „Portraits”, „Revolver”, „Hands”, „Cars”, „Reading”, „Writing”, „Titles”, „Forms” und „Interactions”. Das Ergebnis ist ein faszinierendes Abécédaire eines noch immer wachsenden Werks (aktuell, so hört man, arbeitet Godard an einem 3-D Film).


(via)


(Eingestellt von Christoph)

Donnerstag, 24. November 2011

NEU AUF DVD: PUTTY HILL + HAMILTON

Neben den unten erwähnten Vermillard-Filmen veröffentlichen wir am 2.12. in der Revolver Edition / Filmgalerie 451 auch zwei Filme von Matt Porterfield: PUTTY HILL und HAMILTON, die man hier bestellen kann.




Mehr zu den Filmen in den nächsten Tagen...


(Eingestellt von Christoph)

REVOLVER LIVE! (25) - MARIE VERMILLARD

MARIE VERMILLARD IM GESPRÄCH MIT ULRICH KÖHLER:
ERLEBEN UND ERFINDEN




Am Montag, den 5.12.2011 um 19.30 h im Roten Salon.


In französischer Sprache.
Simultanübersetzung in Deutsche: Jörg Taszman


Im Anschluss: DVD RELEASE PARTY Revolver Edition / Filmgalerie 451
„Lila Lili“ von Marie Vermillard & „Putty Hill“ von Matthew Porterfield
DJ Set von Jutojo


Eine Veranstaltung von Revolver, Zeitschrift für Film
in Zusammenarbeit mit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.


Roter Salon / Rosa-Luxemburg-Platz 10178 Berlin
Kasse: (030) 240 65 777 (täglich von 12 bis 18 Uhr)


*


REVOLVER LIVE! (25)


MARIE VERMILLARD:
ERLEBEN UND ERFINDEN


Marie Vermillards Kino öffnet sich dem Leben, es vertraut auf seine Figuren, ihre Energie und ihr Geheimnis - Realismus, der sich vom Alltag überraschen lässt. Ulrich Köhler, Regisseur („Schlafkrankheit”) und Kenner ihrer Arbeit, wird sich mit der französischen Kollegin über den Verwandlungsprozess des Filmemachens unterhalten: wie aus Erfahrung Text und aus Text wieder Erfahrung werden kann.


Ziel ist ein offener Diskurs. Alle Filminteressierten
sind dazu herzlich eingeladen.




Ulrich Köhler über Marie Vermillard:


„1999 auf der Berlinale zwang mich mein Freund Urs Richter in die Akademie der Künste zu gehen und einen Film namens „Lila Lili'" zu schauen, aber er weigerte sich zu sagen, wovon er handelt. Er wusste, es wäre nahezu unmöglich, mich für einen Film über die Schwangerschaft einer Frau in einem Frauenhaus zu begeistern – zu groß war meine Skepsis gegenüber den menschelnden Sozialdramen jener Zeit. Doch „Lila Lili" änderte das schlagartig. Jede Einstellung, jede Szene überrascht. Nichts ist vorhersehbar in Marie Vermillards Film. Das Unerwartete entspringt bei ihr ganz organisch aus der inneren Logik ihrer Figuren und nicht aus einer dramaturgischen Finte. Sie spielt nicht mit der Intelligenz des Zuschauers, sie interessiert sich einfach nur für den Menschen, das fremde, verwirrende, geliebte Wesen.


„Lila Lili” ist für mich genauso epochal wie die frühen Filme Bruno Dumonts oder der Dardennes. Auch Marie Vermillard ist einem Realismus verpflichtet. Sie untersucht Alltag, aber in diesem Alltag findet sie das Singuläre, Unerwartete, Lebendige nicht Redundanz und Routine. Sie trotzt dem trägen Instrumentarium des Kinos Szenen ab, die die Leichtigkeit von Skizzen haben. Es spielt für sie keine Rolle, ob sie mit Laien oder ausgebildeten Schauspieler arbeitet - sie sucht Menschen, die sie interessieren und schafft Situationen, in denen sie sich entfalten können. Ihre Darsteller scheinen zu vergessen, dass sie spielen.


Ich weiß nicht, wie oft ich „Lila Lili“ geschaut habe - aber immer wieder, wenn ich nicht weiter wusste beim Schreiben oder mit Patrick Orth an der Auflösung eines Filmes saß, habe ich die VHS von „Lila Lili” aus dem Regal geholt.”




FILMEMACHER IM FOKUS: MARIE VERMILLARD

Am 2. Dezember erscheint in der Revolver Edition / Filmgalerie 451 eine DVD mit zwei Filmen von Marie Vermillard: der Spielfilm LILA LILI und der halblange PETITES RÉVÉLATIONS (Bestellen: hier). Wir nehmen diese Veröffentlichung zum Anlass, die französische Filmemacherin näher vorzustellen.




Sonntag, 4.12., 14 h
In einer Sondervorführung zeigt das Berliner Kino FSK LILA LILI in Anwesenheit der Regisseurin (FSK, am Oranienplatz, Segitzdamm 2).


Montag, 5.12., 19.30 h
Im Rahmen von „Revolver Live” spricht Marie Vermillard mit Ulrich Köhler über ihre Arbeitsweise (im Roten Salon der Berliner Volksbühne).


Im Anschluss findet dort eine DVD-Release-Party statt, die natürlich auch unserer zweiten DVD-Veröffentlichung gilt, Matt Porterfields PUTTY HILL (siehe oben).


Zu Matt Porterfield wird es voraussichtlich im Januar eine Veranstaltung geben.


(Eingestellt von Christoph)

Dienstag, 22. November 2011

ÄSTHETIK DES WIDERSTANDES?

Auf „halbnah”, einem neuen Blog, gibt es einen interessanten Text über das fehlende Rückrat des deutschen Films und seiner Akteure. Aufhänger ist Thomas Braschs widerständige Münchner Dankesrede von 1981, die ich hier transkribiert habe (Video s.u.). Blog und Text sind bisher anonym, was ich angesichts des Themas unzulässig finde. Trotzdem habe ich eben auf Parallelfilm eine Entgegnung veröffentlicht. Kommentare sind willkommen.





„Thomas Brasch erhält den Bayerischen Filmpreis für ENGEL AUS EISEN und ist „undankbar”. Nach der Veranstaltung, die zum Eklat wird, weil Brasch sich bei der Filmhochschule der DDR bedankt und davor noch andere unartige Sachen sagt, fordert die Bayerische Regierung den Dichter auf, sein Hotel in München selbst zu zahlen.” (Text von Freitach)


Christoph Rüter Dokumentarfilm BRASCH - DAS WÜNSCHEN UND DAS FÜRCHTEN ist seit dem 3.11. im Kino zu sehen. Die Preisverleihung spielt dort auch eine Rolle.


(Eingestellt von Christoph)

Montag, 21. November 2011

WUNDERTÜTE



Eine Wundertüte verblüffender Stummfilm-Auschnitte, kombiniert mit dem Sound der späten 70er. Macht großen Spaß. Von dangerousminds.


(via)


(Eingestellt von Christoph)

Samstag, 19. November 2011

LICHTFELD



Eine Erfindung, die das Filmemachen gravierend verändern könnte: die „Light Field Camera”. Das erste serienmässige Modell dieses Typs, von der amerikanischen Firma Lytro, ist seit kurzem auf dem Markt. Die Besonderheit: die (Still-) Kamera zeichnet das gesamte „Lichtfeld” auf, was kurz gesagt bedeutet, dass alles zugleich scharf ist und es keine Verschluss- / Belichtungszeiten mehr gibt. Die Schärfe-Ebene lässt sich beliebig nach der Aufnahme definieren, ist also kein optischer, sondern ein algorithmischer Vorgang (hier mehr dazu). Zur Anwendung dieser Technik im Filmbereich hat die Fraunhofer Gesellschaft kürzlich einen konkreten Vorschlag gemacht, der noch einen guten Schritt weiter geht, insofern dort auch der Blickwinkel (!) der Aufnahme in der Postproduktion verändert werden kann. Ich kann nicht behaupten, dass ich im Detail verstehe, wie das funktioniert, aber die Möglichkeiten sind sehr verlockend.


(Eingestellt von Christoph)

Freitag, 18. November 2011

FLIEGENDER REPORTER



Es ist so weit: erstmals werden Dronen im Journalismus eingesetzt. Das Video zeigt Proteste in Warschau, der verwendete „Robokopter”, dessen Aufnahmen die New York Times „strikingly cinematic” nennt, wird in Polen gebaut.


(via)


(Eingestellt von Christoph)

Donnerstag, 17. November 2011

STEINBRÜCK ZEIGT

Die Jagd nach den Schwächen des politischen Gegners ist in den USA ein Volkssport. Zum Spiel gehört es auch, die popkulturellen Vorlieben der Kandidaten auf etwaige Untiefen zu durchleuchten. Wer kann, bleibt in Deckung, während er gleichzeitig Volksnähe und Transparenz suggeriert. Ich erinnere mich an die Liveübertragung einer Art Kreuzverhör zwischen dem damaligen Bush-Kandidaten für den Obersten Gerichtshof, John Roberts und einer Reihe von demokratischen Senatoren. Einer warf Roberts (der sich maximal bedeckt hielt) „Feigheit” vor, weil er CASABLANCA als Lieblingsfilm angegeben hatte. Zum Wahlkampf Obamas gehörte eine raffiniert ausgewogene Playlist, deren Glaubwürdigkeit (als angebliche Jogging-Musik) im Wahlkampf heiss diskutiert wurde. Obamas „Lieblingsfilm” ist übrigens THE GODFATHER, ein Film, den auch Herausforderer (und ehemaliger CEO von Godfather-Pizza) Herman Cain als Favorit angibt (hier sind die Lieblingsfilme der anderen Kandidaten).


Ich komme darauf, weil die Deutsche Filmakademie mit „Mein Film” eine neue Veranstaltungsreihe angekündigt hat, in der Prominente „aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport” Filme vorstellen, die für sie wichtig sind. Den Auftakt macht Peer Steinbrück (am 30.11.2011, um 19.30 h in der Berliner Astor Film Lounge), der Michael Ciminos THE DEER HUNTER (USA 1978) persönlich vorstellen und diskutieren wird. Mindestens vor dem Hintergrund amerikanischer Taktik eine überraschende Wahl, denn die Darstellung der Vietcong in dem Film ist bis heute umstritten (auf der Berlinale 1979 führte die Aufführung zur Abreise der sowjetischen Delegation) und Regisseur Michael Cimino ist nicht wirklich komfortabel kanonisiert. Andererseits liebt Steinbrück ja die Überspitzung, wie wir spätestens wissen, seit er nach einigen Western-Referenzen in der Schweiz zur persona non grata wurde (ungefähr so verdient wie Lars von Trier in Cannes) - und so darf man durchaus gespannt sein, was er zu dem legendären Film zu sagen hat. 



(Bilder via)


(Eingestellt von Christoph)

Mittwoch, 16. November 2011

REMAKING

Kurzer Hinweis:


Am Donnerstag, den 24. November 2011 wird die amerikanische Filmemacherin Amie Siegel (siehe auch Spiegelungen) im Deutschen Architektur Zentrum Berlin (DAZ) einen Vortrag über „Remaking und die frappierende Rolle der Architektur in ihrem Werk” sprechen. Anschliessend gibt es ein Gespräch mit Emanuele Guidi, Matthias Böttger und Siegel. Der Eintritt ist frei.

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Das Gerichtsgebäude in Chandigarh, Indien, von Le Corbusier. Copyright: Was schuldet die Pfütze, die seinen Entwurf verfälscht wiedergibt, dem Architekten?



Die Schweizer 10-Franken-Note würdigt Le Corbusier, indem sie den Stadtgrundriß Chandigarhs zum Muster umwidmet. Wohnen kann man im Franken nicht.


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Siegels aktuelles, in Produktion befindliches Projekt untersucht am Beispiel von Le Corbusiers Idealstadt Chandigarh Spekulationsgewinne der Form. Gut möglich, dass es im DAZ zur Sprache kommt.



(Eingestellt von Christoph)

Dienstag, 15. November 2011

REVOLVER FILMCLUB: MOSKAU IM FILM







Das Zeughauskino Berlin zeigt ab dem 18.11.2011 eine historische Filmreihe zur Hauptstadt der Sowjetunion. In der Reihe laufen zwei Filme, die ich mir nie erhofft hatte jemals hier auf der Kinoleinwand und deutsch eingesprochen sehen zu können:


Am Sonntag, den 20.11.2011 um 20 h
JA SCHAGAJU PO MOSKVE („Zwischenlandung in Moskau”, 1963) von Georgij Danelija. Da spielt der notorische Nikita Michalkov einen jungen Bauarbeiterschriftsteller, mit der Stadt in der Hauptrolle.


Am Mittwoch, den 23.11.2011 um 19.30 h
MNE DVAZAT LET („Ich bin zwanzig”, 1962/64) von Marlen Chuzijew (*1925). Chuzijew (oder anders transskribiert Khutsiyev) heutiger Gegner von Michalkov um die Macht im russischen Regieverband, hat ein wunderbares, hier völlig unbekanntes schmales Filmoeuvre geschaffen (sein Film INFINITAS lief 1992 im Wettbewerb der Berlinale). Wieder spaziert jemand durch Moskau: leere Straßen morgens, allein mit der Freundin und Parties zuhause mit Leuten wie Andrei Tarkowskij als Schauspieler.


Wer kommt mit?


(Saskia)

IN DEN ABGRUND

Andrew O'Hehir hat ein wirklich schönes Interview mit Werner Herzog geführt, über seinen neuen Film INTO THE ABYSS, nachzulesen auf Salon. Ob der Film in Deutschland je ins Kino kommen wird? Weiss das jemand? Zu wünschen wäre es.


Update: hier schreibt Lukas Förster über den Film.


Hier der Trailer:





(Eingestellt von Christoph)

Montag, 14. November 2011

THIS IS ORSON WELLES

Dass Orson Welles über das Medium Radio zum Star, zur Sensation geworden war, habe ich oft gelesen - aber obwohl ich ein großer Verehrer seiner Filme bin, hatte ich mir nie die Mühe gemacht, nach seinen Radioarbeiten zu suchen. Gerade bin ich zufällig auf diese technisch ziemlich bescheidene Aufnahme von HEART OF DARKNESS gestossen, die, einerseits, in ihrem kratzigen Sound wohl einen realistischen Eindruck vermittelt vom Radioerlebnis dieser Tage und andererseits eine Ahnung davon gibt, wie Welles' Film HEART OF DARKNESS, der lange als sein Hollywood-Einstand geplant war (mehr dazu hier und hier), aber dann doch nie zustande kam, hätte klingen können. Das Drehbuch (zur Zeit offline, aber womöglich bald wieder hier) übrigens ist kühn und verheissungsvoll; das Projekt darf zu den großen Traumruinen des Kinos gezählt werden.


HEART OF DARKNESS, der Drehbuchanfang.


Mehr Welles-Radio auf mercurytheatre.info


(Eingestellt von Christoph)

Freitag, 11. November 2011

EINMAL UM DIE WELT...

Zum sechsten Mal lädt Bernhard Karl zur Weltreise ins Berliner Babylon Mitte, in 14 Filmen kommt man zum Beispiel nach Marokko, Indien, Japan oder Mexiko, ein ekklektischer Mix, der „die besten Filme aus Cannes, Venedig, Locarno und San Sebastian” verspricht, aus der Sicht des Mannes mit dem rollenden R. 


Auf den ersten Blick sind einige Filme dabei, die ich sehen möchte, Raúl Ruiz' Abschiedsvorstellung etwa, sein monumentaler (226 Min) MISTÉRIOS DE LISBOA, Nuri Bilge Ceylans BIT ZAMANLAR ANDADOLU'DA, der in Cannes den Preis für das „Beste Drehbuch” gewonnen hat, SUR LA PLANCHE von Leila Kilani, der einen kontroversen Blick auf marokkanische Gegenwart verspricht (hier kann man einen 7-Min-Ausschnitt sehen) oder auch Joachim Triers 31. AUGUST, eine Art „Remake” von Louis Malles großem LE FEU FOLLET - um nur eine Handvoll Filme zu nennen.





AROUND THE WORLD IN 14 FILMS
Im Kino Babylon Berlin, vom 25.11.2011 - 3.12.2012. Das vollständige Programm findet sich hier.


(Eingestellt von Christoph)

REVOLVER FILMCLUB: 'MEEK'S CUTOFF'

Zum Kino gehört unbedingt das Danach, das Sprechen über den Film, sozusagen als Ernte einer stummen Geselligkeit, um jenen Dingen nachzuforschen, die ins eigene Leben ragen, die brauchbar sind. Ich war heute abend kurz entschlossen, Kelly Reichardts MEEK'S CUTOFF zu sehen, aber weil sich auf die Schnelle keine Begleitung fand, bin ich alleine gegangen, und das buchstäblich: ich war der einzige Besucher.


Grund genug, hiermit einen (vorerst) virtuellen Revolver Filmclub auszurufen, der den Austausch über Filme, die man gesehen hat, befördern soll. Es geht dabei nicht im engeren Sinn um „Filmkritik”, eher um ungekämmte Sätze, Für und Wider, Vielstimmigkeit, die sich aus frischen Eindrücken speist.


Jeder, der MEEK'S CUTOFF gesehen hat (und ich finde, jeder sollte ihn sehen), ist hiermit herzlich eingeladen, den Film zu kommentieren. Ich mache den Anfang (s.u.), in der Hoffnung auf Gesellschaft!


Christoph






(Eingestellt von Christoph)

Mittwoch, 9. November 2011

'KLARAS MUTTER' IN PARIS

REVOLVER @ GOETHE PARIS (9)


Auf Einladung des Goetheinstituts Paris - Carte Blanche für Revolver - haben wir eine kleine Reihe mit deutschen Filmen zusammengestellt, die uns persönlich wichtig sind und so etwas wie eine alternative deutsche Filmgeschichte umreissen, jenseits der in Frankreich gut etablierten Säulen Weimarer Kino und dem „Fassbinder-Herzog-Wenders-Komplex”. Mehr über die Reihe findet sich hier.


Als neunten Film zeigen wir am 30. November Tankred Dorsts KLARAS MUTTER (D 1978).






Der Film erzählt die Geschichte einer symbiotischen Mutter-Tochter-Beziehung in den frühen 30er Jahren, die aus dem Gleichgewicht kommt, als ein Mann in beider Leben tritt und die unerfüllten Sehnsüchte Klaras an die Oberfläche bringt. Der Film steht exemplarisch für die konfliktreiche Begegnung von Vorstellung und Wirklichkeit, die im Zentrum des Dorst'schen Universums steht. Es geht um den Traum von einem anderen Leben – und um die Verhältnisse, die ihn hervorbringen und unmöglich machen.


„Eine Geschichte, das ist ja nicht allein der Dialog, das, was gesagt wird; es ist die Stimme, das Zögern, der Blick, das Schweigen, die Stimmung.“
Tankred Dorst (1978)

Siehe auch: Heike Hursts Text über die Filme von Dorst / Ehler.


Dreharbeiten: Marius Müller-Westernhagen (Mitte) als Kupka


KLARAS MUTTER (D 1978)
Regie: Tankred Dorst. Buch: Tankred Dorst, Ursula Ehler. Kamera: Dietrich

Lohmann. Ton: Richard Kettelhake. Kostüm: Barbara Baum. Szenenbild: Günther Naumann. Musik: Marius Müller-Westernhagen. Schnitt: Liesgret Schmitt-Klink. Produktionsleitung: Willi Christopheri. Produktion: Gunther Witte. Eine Produktion des WDR (Köln). Darsteller: Katharina Tüschen, Elisabeth Schwarz, Marius Müller-Westernhagen, Horst Laube, Siegfried Jungkunz, Dieter Augustin, Georg Fleischmann, Hans-Joachim Wettermann, Sofie Keeser, Martina Krauel, Dieter Kirchlechner u.v.a.


KLARAS MUTTER ist in der Revolver DVD Edition / Filmgalerie 451 erschienen.




Am 30. November 2011 um 19.30 h im Kino des Goetheinstituts Paris.
Einführung: Christoph Hochhäusler.


Goethe-Institut - 17 avenue d'Iéna, 75116 Paris
Originalfassung mit französischer Untertitelung
4€; 3€ für die Inhaber der Carte Goethe
Tel. +33 1 44439230


 Hier der französische Flyer.




(Eingestellt von Christoph)

Montag, 7. November 2011

BILDERSUCHE



Kurzer Hinweis:


Felix von Böhm, umtriebiger cine-fils, und Regisseur Michael Klier wollen öffentlich „über das Suchen und Finden von Bildern” sprechen.


„Was ist ein Bild? Und wie können wir es finden? Gibt es eine Hierarchie der Bilder? Warum sind manche Bilder so selten und andere so häufig?” fragt die Einladung und lädt zum offenen Dialog ein.


Am Freitag, den 18.11.2011 um 20 h in der Bar „Frühperle”, Boddinstraße 57a, 12053 Berlin, (als Auftaktveranstaltung der Tagung „Freiheit & Reflexion” der IiAphR).


(Eingestellt von Christoph)

PRE VIZ CINEMA

Der Online-Händler Amazon hat vor einem Jahr ein „Studio” gegründet, eine Plattform für Nachwuchsfilmer, die ihre Drehbücher und Filmprojekte einreichen und einem Online-Publikum vorstellen können. Inzwischen hat das Unternehmen eine gewisse Reife gewonnen, erste Ergebnisse lassen sich begutachten. 


Das „Studio” funktioniert im Sinne eines offenen, permanenten Wettbewerbs. In einer schwer zu durchschauenden Mischung aus kommerziellen Kalkül und mehr oder weniger populistischen Mitmach-Effekten werden aus den Einsendungen Gewinner gekürt, die dann in die nächste Phase vorrücken und von usern und Experten gemeinsam bewertet und beraten werden, um ihr Vorhaben im Sinne dieser kollektiv-virtuellen Studiochefs verbessern zu können. Letztlich also eine Art development hell, die die Nutzer überwiegend selbst finanzieren und die das potentielle Publikum schon vor Entstehung des Films involviert, in der Hoffnung, das „Risiko Film” so kalkulierbarer zu machen. Amazon wirbt mit dem Dreisatz „win money - get noticed - get your movie made”. Für diesen letzten Punkt steht der First-Look-Deal mit Warner - oder, natürlich, crowd funding


So oder so, es scheint fraglich, ob sich unter diesen Bedingungen Filme durchsetzen, die wirklich erfinderisch und neu sind. Die aktuellen Finalisten-Projekte jedenfalls, die sich zum Teil in aufwändigen Previsualisierungen ansehen lassen, wirken allesamt sehr marktgängig. Die Previsualisierungen selbst aber - sind nicht uninteressant. Entstanden aus der Not heraus, die Projekte für ein tendenziell lesefaules Mitmachpublikum erlebbar zu machen, sind es meistens Slideshows mit Fotoboards, dazu eingesprochene Dialoge und Soundeffekte - durchaus verwandt mit den PreViz-Konzepten Coppolas aus den Tagen von ONE FROM THE HEART, damals 1980 (mehr dazu hier). 


Die Bilder unten zum Beispiel stammen aus  MEMORY, einem Projekt von Christian Davies („Regie” / Überarbeitung Drehbuch) und Alex Greenfield (Drehbuch), das als „Memento meets Seven” angepriesen wird und der „Winner September 2011 Best Test Movie” geworden ist. Viel mehr Genre-Gehorsam kann ich mir handlungsseitig kaum denken; ironischerweise liegen die Reize von Davies' Foto-Film in Abstraktionen, die der Film auf jeder anderen Ebene vermeidet. Wie auch immer, man kann sich diesen Test-Film in voller Länge ansehen, obwohl er ja noch nicht gedreht wurde - um dann mit einem Ranking die Chancen auf einen Preis zu beeinflussen (Das einzige Ranking bisher stammt konsequenter Weise von Davies Vater). 


Wie zwiespältig auch immer die Ergebnisse, das ganze Vorhaben „Amazon Studios” ist einen Besuch wert und ermöglicht mindestens logistisch einen Blick in die Zukunft Hollywoods. Vor die Alternative gestellt, Server-Mieten und einen Webmaster oder aber ein Büro mit Parkplatz, Security, Vorzimmerdame usw. zu bezahlen, könnte sich so mancher reale Studiochef in eine virtuelle Entwicklungsabteilung verlieben.






Bilder aus dem „Test-Movie” MEMORY, von Christian Davies.

(Eingestellt von Christoph)

Sonntag, 6. November 2011

ICH HAB GETRÄUMT ICH WÄR EIN HUND DER TRÄUMT

Der große Filmgrafiker Hans Hillmann (*1925 in Nieder-Mois), dessen Plakate für Buñuel, Godard, Kurosawa etc. Legende sind, hat auch ein Leben nach und neben dem Film, als Illustrator für Bücher und Zeitschriften und als Schöpfer von Bildgeschichten, dessen gewaltigste FLIEGENPAPIER heisst, eine (wie man heute sagen würde) graphic novel nach Motiven von Dashiell Hammett, an der Hillmann über sieben Jahre lang gearbeitet hat. Grafisches Kino, gewissermassen, hardboiled noir, und doch ganz und gar der Zeichung und ihrer Logik verschrieben, voller Bilderfindungen, die nur auf Papier möglich sind. Wer den Band nicht kennt, dem sei der Kauf dringend empfohlen; die Wiederauflage von 2005 ist vergriffen, aber antiquarisch „neu” zu finden, z.B. hier


Hans Hillmann: „Fliegenpapier” (1982).


Vom 16.11. - 5.02.2012 gibt es in der Berliner Kunstbibliothek (Kulturforum) die Möglichkeit, Arbeiten von Hans Hillmann und Jiří Šalamoun im Original zu sehen, eine stimmige Kombination, schon weil auch der techische Meister (*1935 in Prag) zwischen Plakat, Illustration und Animation dem Film eng verbunden ist und doch auf dem Papier „zu Hause” blieb.


Aus dem „Cyklu Théseus” von Jiří Šalamoun (1987).


„Ich hab geträumt, ich wär ein Hund, der träumt” 
Bildgeschichten von Hans Hillmann und Jiří Šalamoun
16. November 2011 - 5. Februar 2012
Kunstbibliothek Berlin





Links zu Hillmann:
Lars Müller Publishers (Hans Hillmann. Das visuelle Werk. Tolles Buch.)
Neues Museum Nürnberg 
(Ausstellung 2005)
Brücke 66 (Ausstellung 2011)
Movie Poster of the Week (Adrian Curry auf Mubi)


Revolver Chronik:
Ich habe im November 2007 ein Revolver Live mit Hans Hillmann gemacht, das man in Heft 19 nachlesen kann. Eines der wenigen (innen) vierfarbigen Revolver-Hefte übrigens, wegen der Plakate.


(Eingestellt von Christoph)

AM SCHNITTRAND DES LANDES

Im Rahmen der von uns kuratierten Filmreihe „Carte Blanche à Revolver” in Paris, die sich, wie das Jahr, langsam dem Ende zuneigt, zeigen wir am 30.11.2011 Tankred Dorsts Regiedebüt KLARAS MUTTER (D 1978). Nachfolgend, als Vorgeschmack, ein Text von Heike Hurst über KLARAS MUTTER, MOSCH und EISENHANS, den drei Filmen des Schreib- und Lebenspaares Tankred Dorst und Ursula Ehler.


KLARAS MUTTER


Zu den Filmen von Tankred Dorst und Ursula Ehler. Von Heike Hurst.


Ein junges Mädchen, Volksschullehrerin, aber doch noch so jung, dass man sagt: ohne alle Erfahrung – das heißt: sie weiß nichts vom Leben, sie hat nur in ihren Büchern gelebt – diese junge Noch-Nicht-Frau erfährt zum ersten Mal bewusst Zärtlichkeit. Es ist keine Zuwendung, nicht direkt. Sie sitzt nur da, ordnet Kräuter, denn in dem Haushalt ihrer Mutter lebt man gesund, und der Mann, von dem sie nicht richtig weiß, ist es der Mann ihrer Mutter, ist er wirklich mit ihrer Mutter zusammen, was macht er mit ihr, wenn er die Tür zumacht, sie die Tür zumacht – er hat sie angelacht und ihr einen lieben Satz gesagt. Das war die Zärtlichkeit, die sie erfuhr. Und schon ist alles ganz anders. Sie erinnert sich in jeder Sekunde daran. Nun sieht sie ihre Mutter anders an, sie schaut ihr beim Waschen zu und sie ist sicher, dass das Zettelchen, das sie gefunden hat, von ihm ist; jetzt ist sie ihr, der Mutter, überlegen. Sie kennt sicher nicht den Ausspruch des Dichters, der von der Krone des Begehrens sprach, aber sie trägt sie. Sie hält sich aufrechter, geht nicht mehr so gebückt, streckt sich etwas Unbekanntem, dem Unbekannten entgegen. Sie geht zum Rendezvous, ruft den Namen, weil sie ihn nicht sieht, ihn aber so herbeiwünscht, wie sie vielleicht noch nie etwas in ihrem Leben gewünscht hat. Und was fällt ihr direkt ins Gesicht, was springt ihr entgegen in diesem Augenblick, der ein begnadeter Augenblick sein sollte, was lässt sie aufschreien, als wäre sie angeschossen worden: brutal wird ein Kartoffelsack auf sie geworfen – aus dem Sack läuft ein quiekendes Ferkel.


Das ist für mich das stärkste Bild in Klaras Mutter. Warum? (Es handelt sich doch nur um einen Schülerstreich.) Weil dieses Bild die Gewalt ausdrückt, die aus der Neugier und aus dem Neid auf ein vermutetes Sexualleben des anderen entsteht. Die beiden vom ganzen Dorf überwachten und bespitzelten Frauen, Klara und ihre Mutter, die die Rolle der Außenseiterin gewählt hat und dazu steht, können nur in einem Bereich wirklich gedemütigt werden, eben in der Verhöhnung ihrer Sexualität. Das Bild erfasst das. Es sagt: du bist ein Ferkel, ein Schwein! Das sind Schweinereien! Es drückt wie kein anderes im Film die Feindseeligkeit aus, mit der Klara nicht fertig wird. Diese Feindseeligkeit ist schlimmer als eine offen ausgetragene Feindschaft, sie tötet in dieser jungen Frau sicher nicht den Wunsch nach Zärtlichkeit, der sie zur Verabredung gehen ließ, stellt ihn aber für immer in diesen verschweinten Zusammenhang. Der Schrecken kehrt die Angst hervor, die sie in sich hatte. Jetzt lässt sie sie heraus, so überraschend wie das Ferkel aus dem Sack kam. Gegen die Mutter, gegen wen sonst?

Samstag, 5. November 2011

FASSBINDER 1976

MÜLLER: Was ist der Inhalt deines Romans*?


FASSBINDER: Der handelt von einem Menschen, der gelähmt irgendwo sitzt, sich nicht mehr bewegen kann, ein Hypochonder, dem es noch viel schlechter als mir geht, und der sich sagt: Entweder höre ich auf zu atmen oder ich fange an, über mich nachzudenken.


MÜLLER: Ist das ein Künstler?


FASSBINDER: Nein, ein Geschäftsmann aus der Textilbranche, unverheiratet, wohlhabend. Der hat genug Geld, um Spaß zu haben, aber er schafft's nicht. Er sitzt da und kann seinen Arm nicht mehr heben. Da fängt er an, über die Vergangenheit nachzudenken, über seine Familie, darüber, was ihn so weit gebracht hat. Der Roman beginnt da, wo er sich nicht mehr bewegen kann, und hört auf, wo er wenigstens wieder seinen Arm heben kann. Dazwischen reflektiert er seine Geschichte und die Phantasien, die er dazu entwickelt.


(Aus einem Interview, das der im April dieses Jahres verstorbene André Müller geführt hat. Es ist in Gänze - neben vielen weiteren Gesprächen - auf Müllers Seite zu finden.) 


*)
„Den geplanten Roman, dessen Titel »Die Reise ins Innere der Trauer« schon feststand und der im Münchner Hanser-Verlag erscheinen sollte, hat der Filmemacher nie abgeliefert.”


(Eingestellt von Christoph)

Freitag, 4. November 2011

EURO-WESTERN

Passend zur krisenhaften Lage auf dem Kontinent widmet sich das „8. Internationale Festival des deutschen Film-Erbes” dem Western in seinen deutschen und europäischen Spielarten - und es gibt derer erstaunlich viele. Das Programm reicht vom Harry Piel-Western ERBLICH BELASTET? (D 1913 - im Berliner Umland gedreht) über Ulrich Weiß' DEFA-Jugendfilm BLAUVOGEL (DDR 1978) bis zu Enzo G. Castellaris Italo-Western KEOMA (I 1976).


Vom 12.–20. November 2011 im Hamburger Kino Metropolis (und anschliessend auf Tournee in Berlin, Wien, Prag, Wiesbaden und Zürich).





Roland Klicks oft als „Spät-” oder „Post-Western” bezeichneter DEADLOCK (1970), der übrigens ohne Pferde auskommt, wird Samstag, 19.11. um 21.15 h im Metropolis zu sehen sein. Klick wird den Film persönlich vorstellen.


(Eingestellt von Christoph)

Mittwoch, 2. November 2011

EIN BILD VON EINEM MANN


Gary Cooper in tollen Posen: „Gary Cooper: Enduring Style” ist ein Coffee-table-book mit (für mich) überraschend exzentrischen Ansichten des so stoischen wie vielseitigen Schauspielers.

(via)


(Eingestellt von Christoph)

Dienstag, 1. November 2011

DREHBUCHKLASSE

Die DFFB-Drehbuchakademie hat eine schöne Tradition: die Absolventen stellen sich und ihre Stoffe öffentlich vor und stehen anschliessend für ein Gespräch zur Verfügung. Interessierte können auch einen Blick in die entwickelten Drehbücher werfen. Eingeladen werden üblicherweise Redakteure und andere „Entscheider”, Filmemacher aber sind ebenfalls willkommen. 



Am 4.11.2011 um 17 h im Forum des Film- und Fernsehmuseums, Potsdamerstraße 2, 4.Stock.


(Eingestellt von Christoph)

'SONNENSYSTEM' IM KINO

Kurzer Hinweis:


Thomas Heises jüngster Film SONNENSYSTEM wird in Berlin im fsk-Kino am Oranienplatz, im Kino Krokodil sowie in den Tilsiter Lichtspielen in der Woche 3. - 9.11.2011 gespielt.


Der Regisseur wird ihn persönlich vorstellen, am Fr. 4.11. im Kino Krokodil und
am Mo., 7.11. im fsk-Kino, im Anschluss an die 18:00 Uhr Vorstellung.



(Eingestellt von Christoph)