Dienstag, 31. Mai 2011

DIESEN DONNERSTAG ...

Zur Erinnerung: diesen Donnerstag (2.06.2011) beginnt die von Birgit Kohler kuratierte Filmreihe PERFORMING DOCUMENTARY im Berliner Arsenal, flankiert von Einführungen, Kino-Gesprächen (viele Filmemacher sind anwesend) sowie einer Podiumsdiskussion unter der Überschrift „Zur Ästhetik performativer politischer Dokumentarfilme” (5.06.2011).



Macht den Auftakt: Tina Leischs GANGSTER GIRLS (Österreich 2008).


(Eingestellt von Christoph)

LAST MASS IN SATAN'S CHURCH



Neuer amerikanischer Naturlyrizismus? Robert Persons GENERAL ORDERS NO 9, ein dokumentarischer Essay „told in maps, dreams and prayers”, betrauert das Verschwinden der Wildnis und erinnert - von Trailer zu Trailer - an Terrence Malicks „New Agey desktop background kitsch” (Ignatiy Vishnevetsky in seiner - durchaus differenzierten - Betrachtung von THE TREE OF LIFE). Der Titel bezieht sich übrigens auf einen Befehl von General R. E. Lee zur Demobilisierung seiner Armee...


(Eingestellt von Christoph)

Montag, 30. Mai 2011

MIGUEL GOMES: INVENTÁRIO DE NATAL



Der portugiesische Regisseur Miguel Gomes (*1972) zu seinem 2000 entstandenem Kurzfilm INVENTÁRIO DE NATAL:


„Der 25. Dezember, in den 80ern. Die Familie kommt im Haus der Großeltern zusammen. Als ich zwölf war, habe ich davon geträumt, die statischen Bilder der Weihnachtskrippe in Bewegung zu setzen. Mit diesem Film habe ich etwas ähnliches versucht - mit den Erinnerungen an meine Cousins und Verwandten, mit dem Haus und seinen Ritualen als Spielmaterial. Es ist ein angetäuschter Dokumentarfilm, eine Pseudo-Animation, eine halb-erfundene Geschichte über Kinder, die in den Krieg ziehen, Musik machen und die Kontrolle übernehmen.”


In Revolver, Heft 23, beschreibt Miguel Gomes die überraschende Entstehungsgeschichte seines bislang letzten Spielfilms, UNSER GELIEBTER MONAT AUGUST, der dieses Moment „unzuverlässiger” Vermischung weiter ausbaut. Auf der Seite der Berliner Produktionsfirma KOMPLIZENFILM findet sich die folgende Inhaltsangabe seines neuesten Projektes, TABU, das ebenfalls in der Weihnachtszeit spielt:


AURORA, eine temperamentvolle alte Frau, ihre Capverdische Hausbesorgerin SANTA und PILAR eine sozial engagierte Nachbarin leben im gleichen Wohnhaus in Lissabon. Mit ihnen verbringen wir die trostlosen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr. Als das Neue Jahr beginnt, erlebt Aurora nur die ersten Stunden. Sie wird im Morgengrauen ins Krankenhaus gebracht und bevor sie stirbt hat sie nur noch Zeit den Namen eines Mannes zu sagen, den sie niemals erwähnt hat: GIANLUCA VENTURA. Pilar und Santa begeben sich auf die Suche nach diesem Mann und erfahren eine Geschichte aus ihrer Vergangenheit – die Geschichte einer Liebe und eines Mordes, geschehen in einem Afrika der Abenteuerfilme.


Vor allem die Formulierung „Afrika der Abenteuerfilme” lässt auf eine Fortsetzung der Krippen-Action hoffen. Wir sind gespannt...


(Eingestellt von Christoph)

Freitag, 27. Mai 2011

MARK THOMANN BEI PONY PEDRO



Kurzer Hinweis: Matthias Dell schreibt auf Getidan.de über Mark Thomanns Plakate für die Filme von Thomas Heise, anlässlich einer Ausstellung in der Berliner Galerie Pony Pedro.


(Grafik und Film – Handarbeit - Ausstellung bis 18. Juni 2011,  Mo. bis Fr. 10-19 Uhr, Sa. 12-17 Uhr Pony Pedro, Köpenicker Straße 100, 10179 Berlin)


(Eingestellt von Christoph)

Dienstag, 24. Mai 2011

PERFORMING DOCUMENTARY

Performing Documentary
vom 2.-5.Juni 2011 im Kino Arsenal in Berlin


Performing Documentary, kuratiert von Birgit Kohler, diskutiert den Zusammenhang von Filmen, die nicht Einfühlung in komplizierte Themen wie Wirtschaftskriminalität und häusliche Gewalt anbieten, sondern Analyse der Zusammenhänge und deren angemessene Darstellung im Film.
Podiumsdiskussion am 5. Juni: "Performing Documentary – Zur Ästhetik performativer politischer Dokumentarfilme" mit Dominik Kamalzadeh (Filmkritiker, Wien), Bert Rebhandl (Filmkritiker, Berlin), Werner Ruzicka (Leiter der Duisburger Filmwoche), moderiert von Birgit Kohler.


Tina Leischs GANGSTER GIRLS (Österreich 2008)
Anja Salomonowitz’ KURZ DAVOR IST ES PASSIERT (Österreich 2006)
Calle Overwegs DAS PROBLEM IST MEINE FRAU (D 2003)
Volko Kamenskys ORAL HISTORY (D 2009)
Thomas Fürhapters MICHAEL BERGER. EINE HYSTERIE (Österreich 2010)
Stefan Landorfs BESPRECHUNG (D 2009)
Andres Veiels DER KICK (D 2006)
Romuald Karmakars HAMBURGER LEKTIONEN (D 2006)
Gerhard Friedls HAT WOLFF VON AMERONGEN KONKURSDELIKTE BEGANGEN? (Österreich 2004)








(Eingestellt von Saskia)

MORGEN DAS LEBEN / EIN GESPRÄCH



ÜBER DIE ARBEIT AN 'MORGEN DAS LEBEN'
JUDITH AL BAKRI, ULRIKE ARNOLD UND JOCHEN STRODTHOFF IM GESPRÄCH


Der Münchner Regisseur Alexander Riedel (DRAUSSEN BLEIBEN) bezeichnet seinen neuen Film MORGEN DAS LEBEN als „dokumentarischen Spielfilm”. In nur gelegentlich verbundenen Episoden geht es um prekäre Arbeit in einer reichen Stadt - und um die Sehnsucht dreier Menschen um die vierzig, ihr Leben zu verändern. Die Hauptdarsteller, Judith Al Bakri, Ulrike Arnold und Jochen Strodthoff, mussten dabei ihre „Spielaufgaben” oft in unkontrollierten Situationen umsetzen, auf Augenhöhe mit „wirklichen” Menschen und Lebenswelten. Mit Interventionen dieser Art sucht der Film eine neue Balance zwischen Erzählung und Beobachtung. Der Film startet am 2.06.2011 in ausgewählten Kinos (Website).


Nach der Premiere auf dem Münchener Filmfest (2010 - Ensemblepreis Schauspiel) haben sich die drei Protagonisten zusammengesetzt, um sich über die Chancen und Konflikte dieser Arbeitsweise auszutauschen. Wir dokumentieren das Gespräch in Auszügen.


SICH AUSLIEFERN


Jochen Strodthoff: Wir haben uns ja während der Dreharbeiten kaum gesprochen, weil wir in drei verschiedenen Episoden gespielt haben und uns erst gegen Ende der Dreharbeiten vor der Kamera begegnet sind. Ich weiß noch, Ulrike, dass wir uns nur ein einziges Mal getroffen haben. Das war in der Kosmetikschule.


Ulrike Arnold: Genau. Ich hatte trotzdem das Gefühl, dass wir da sehr schnell auf die Sache zu sprechen kamen. In diesen zwei, drei Minuten, die wir Zeit hatten. Da ging der Austausch ganz schnell: Wie geht’s dir? Wie geht’s mir? Und wie schnell wir dann ähnliche Unsicherheiten ausgemacht haben.


JS: Ja, auch um abzuchecken, wo der andere gerade steht. Geht’s dir genauso wie mir? Oder geht’s dir etwa gut?


(alle lachen)


UA: Ging es dir nicht gut?


JS: Es ging mir schon gut bis zu dem Moment, als mir die Haare abgeschnitten wurden. Das fand ich furchtbar. Der Regisseur Alexander Riedel hatte für die Szene eine Friseurin aufgetrieben, die ich wirklich fies fand, und die mir vor laufender Kamera die Haare schneiden sollte. Da fühlte ich mich schon sehr ungeschützt. Gleichzeitig begann im Film mein Arbeitsleben im Versicherungsgeschäft, mein Gefühl hing also sicher auch damit zusammen.


UA: Anfangs hast du in einem Männerwohnheim gewohnt?


JS: Ja, bei mir begann es sehr intensiv in einem Männerwohnheim im Münchner Bahnhofsviertel. Das war deshalb intensiv, weil ich da bereits eine Woche vor Drehbeginn eingezogen bin. Mit dem Auftrag Leute kennen zu lernen. Alexander hatte bereits einen Kontakt hergestellt zu Jens, einem Bewohner des Nachbarzimmers, der jetzt gar nicht mehr soviel drin ist im Film. Mit dem habe ich oft Schach gespielt. Der konnte richtig gut spielen, weil er im Knast immer von Zellenwand zu Zellenwand gespielt hat.


UA: Wie sind die Bewohner des Männerwohnheims mit dem Filmteam umgegangen? Gab es da nicht Probleme?


JS: Es gab schon einige Konfliktsituationen. Jens sagte uns, wir können in dem Zimmer drehen und unser Kameramann Martin Farkas hatte beide Betten von den Fenstern weggerückt und etwas Licht oben in die Fensterrahmen gesetzt. Und nach diesem ersten Drehtag platzte plötzlich der Mitbewohner von Jens ins Zimmer. Er war auf hundertachtzig, weil er schon von der Straße aus die Lampen gesehen hatte. Er kam also rein und brüllte: Tu die Scheiße hier raus! Ich schmeiße jetzt die ganze Scheiße aus dem Fenster!


UA: Und ihr wolltet es noch hängen lassen bis zum nächsten Tag?


JS: Wir wollten es noch vier Tage hängen lassen! Es hat ja auch nicht wirklich gestört. Aber er hat das als massiven Eingriff in seine Intimsphäre betrachtet und deshalb war er stinksauer. Ich sagte ihm, dass ich das nicht machen werde und das hat er schließlich akzeptiert. Aber erst dachte ich, er schmeißt mich zusammen mit den Lampen zum Fenster raus.


UA: Das habt ihr ja in dem Film ganz gut einfangen. In dieser Situation, als bei dir noch ein zweites Bett reingestellt werden soll. Wenn dann bei dir die Grenze deiner Belastbarkeit erreicht ist.


JS: Genau diese Ausgesetztheit haben wir in dem Film dann so übernommen. Aber das ist ja auch eine menschenverachtende Situation: Die Stadt zahlt für die Unterbringung und die Besitzer hauen in jedes Zimmer soviel Betten rein, wie möglich.

Montag, 23. Mai 2011

BERLIN-MÜNCHEN-BERLIN - DER FILMKRITIKER MICHAEL ALTHEN (von Romuald Karmakar, 1991)



Der 12 min Film »Berlin-München-Berlin -- Der Filmkritiker Michael Althen« entstand 1991 als Beitrag für ein Berlinale-Programm des WDR namens »Keine Festivalberichterstattung«.


Regie: Romuald Karmakar
Redaktion: Helmut Merker
Kamera: Bernd Neubauer, Martin Leckert
Schnitt: Igor Patalas
WDR, 1991


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Romuald Karmakar hat diesen schönen, kurzen Film aus gegebenem Anlass in seinem Youtube-Channel cinekarmakar veröffentlicht. Michael Althen spricht darin frei und ehrlich über seine Arbeit als Filmkritiker der Süddeutschen Zeitung bei der Berlinale 1991. Er wird greifbar als Person, als Kritiker und Gegenüber in der Diskussion.


Siehe auch: michaelalthen.de


(Eingestellt von Benjamin)

Sonntag, 22. Mai 2011

TREE OF FILMS

Ein anderer Baum: ein Bild aus Terrence Malicks erstem Film BADLANDS (USA, 1973), in dem ein im Fluss treibender Baum für die „Entwurzelung” der Figuren steht - THE TREE OF LIFE entwickelt diese Metapher gewissermassen weiter.


Eine andere Suche: ein Bild aus Nuri Bilge Ceylans CLOUDS OF MAY (Türkei, 1999), nicht nur stilistisch eine Wurzel von ONCE UPON A TIME IN ANATOLIA.


Ein anderer Junge : Jérémie Renier, damals 14, in LA PROMESSE (Belgien, 1996) der Brüder Dardenne. In ihrem neuesten Film LE GAMIN AU VÉLO spielt er den sich entziehenden Vater.


Ein anderer Fahrer: ein Bild aus DRIVER (USA, 1978) von Walter Hill, eines der Vorbilder für Nicolas Widing Refns Genre-Übung DRIVE.


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CANNES 2011 
PREISE


Ehrenpalme:
Bernardo Bertolucci


WETTBEWERB:


Palme d'Or

THE TREE OF LIFE, Regie: Terrence MALICK


Grand Prix Ex-aequo

BIR ZAMANLAR ANADOLU'DA (ONCE UPON A TIME IN ANATOLIA), Regie: Nuri Bilge CEYLAN
LE GAMIN AU VÉLO (THE KID WITH A BIKE), Regie: Jean-Pierre et Luc DARDENNE


Beste Regie:

Nicolas WINDING REFN für DRIVE


Bestes Drehbuch:

Joseph CEDAR für HEARAT SHULAYIM (Footnote)


Beste Schauspielerin:

Kirsten DUNST in MELANCHOLIA, Regie: Lars VON TRIER


Bester Schauspieler:

Jean DUJARDIN in THE ARTIST, Regie: Michel HAZANAVICIUS


Preis der Jury

POLISSE (POLISS), Regie: MAÏWENN


KURZFILME:


Palme d'Or - Kurzfilm

CROSS (CROSS - COUNTRY), Regie: Maryna VRODA


Preis der Jury - Kurzfilm

BADPAKJE 46 (SWIMSUIT 46), Regie: Wannes DESTOOP


UN CERTAIN REGARD:


Preis Un Certain Regard Ex-aequo

ARIRANG, Regie: KIM Ki-Duk
HALT AUF FREIER STRECKE (STOPPED ON TRACK), Regie: Andreas DRESEN


Un Certain Regard Spezial Preis der Jury 

ELENA, Regie: Andrey ZVYAGINTSEV


Beste Regie / Un Certain Regard

BÉ OMID É DIDAR, Regie: Mohammad RASOULOF


CINEFONDATION:


1. Preis Cinéfondation

DER BRIEF (THE LETTER), Regie: Doroteya DROUMEVA


2. Preis - Cinéfondation

DRARI, Regie: Kamal LAZRAQ


3. Preis Cinéfondation

YA-GAN-BI-HANG (FLY BY NIGHT), Regie: SON Tae-gyum


GOLDENE KAMERA (Bester Erstlingsfilm):


Caméra d'or
LAS ACACIAS, Regie: Pablo GIORGELLI


(Eingestellt von Christoph)

VORSCHAU HEFT 24


Heft in Sicht! Nummer 24, in etwa drei Wochen im Handel, enthält Interviews mit Mia Hansen-Løve, Eoin Moore, Denis Côté und Agnès Varda sowie Texte von Bob Frost, Laurens Straub und Meir Shalev. 


(Eingestellt von Christoph)

Samstag, 21. Mai 2011

KEIN FILM



Ein Ausschnitt aus THIS IS NOT A FILM von Mojtaba Mirtahmasb und Jafar Panahi, der von einem Leben dazwischen erzählt, in Erwartung der endgültigen Entscheidung des Gerichtes, das Panahi bekanntermassen - für die blosse Arbeit an einem vorgeblich „iranfeindlichen” Film - zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt hatte. Wie zu erfahren ist, wurde der Film mit einem in einer Torte versteckten USB-Stick nach Cannes geschmuggelt. David Hudson hat auf Mubi einige Reaktionen zusammengetragen.


(Eingestellt von Christoph)

Freitag, 20. Mai 2011

DIESEN MONTAG: OLIVIER PÈRE

Zur Erinnerung: diesen Montag, 23.05.2011, 20 h, findet im Roten Salon der Volksbühne Berlin eine neue Revolver Live-Veranstaltung statt. Zu Gast: Olivier Père. Das Thema: das Festivalsystem als „Utopie, Ersatz- und Antikino”, am Beispiel des Filmfestivals Locarno. Moderation: Christoph Hochhäusler, Nicolas Wackerbarth. Hier der ausführliche Post zum Thema.


(Eingestellt von Christoph) 

Mittwoch, 18. Mai 2011

VENEDIG?

In Cannes schlagen die Erwartungen regelmässig in Enttäuschung um, jedenfalls, wenn man den Kritiken glauben will. Unterdessen formiert sich bereits der nächste Erwartungshorizont: Venedig. Hier ein paar nicht ganz unwahrscheinliche Möglichkeiten:


Akerman, Chantal: LA FOLIE ALMAYER

Akin, Fatih: GARBAGE IN THE GARDEN OF EDEN

Alfredson, Tomas: TINKER, TAILOR, SOLDIER, SPY

Amelio, Gianni: LE PREMIER HOMME

Arnold, Andrea: WUTHERING HEIGHTS

Clooney, George: IDES OF MARCH

Comencini, Cristina: QUANDO LA NOTTE

Cronenberg, David: A DANGEROUS METHOD

Crowe, Cameron: PJ20

Davies, Terence: THE DEEP BLUE SEA

de la Iglesia, Alex: LA CHISPA DE LA VIDA

Demme, Jonathan: ZEITOUN

Folman, Ari: THE CONGRESS

Garrel, Philippe: UN ÉTÉ BRÛLANT

German Jr., Aleksei: HARD TO BE A GOD

Haneke, Michael: AMOUR

Hsiao-hsien, Hou: THE ASSASSIN

Kar Wai, Wong: THE GRANDMASTERS

Kore-eda, Hirokazu: I WISH

Lanthimos, Yorgos: ALPS

McQueen, Steve: SHAME

Mendoza, Brillante: PREY

Olmi, Ermanno: IL VILLAGGIO DI CARTONE

Payne, Alexander: THE DESCENDANTS

Polanski, Roman: CARNAGE

Ratanaruang, Pen-Ek: HEADSHOT

Reygadas, Carlos: POST TENEBRAS LUX

Salles, Walter: ON THE ROAD

Satrapi, Marjane & Paronnaud, Vincent: POULET AUX PRUNES

Seidl, Ulrich: PARADIES

Soderbergh, Steven: HAYWIRE

Sokurov, Aleksandr: FAUST

Solondz, Todd: DARK HORSE

Spielberg, Steven: WAR HORSE

To, Johnnie: LIFE WITHOUT PRINCIPLE

Winterbottom, Michael: TRISHNA

Ye, Lou: LOVE AND BRUISES

Zhang-ke, Jia: IN THE QING DYNASTY

(Eingestellt von Christoph)

Dienstag, 17. Mai 2011

SCHÖNE PLÄNE

„Unbewusstes Vorbild“: Bruce Baillies QUICK BILLY (USA, 1970).


Apichatpong Weerasethakul spricht mit Christopher Bell (The Playlist) über Pläne und Einflüsse - und bleibt unberechenbar. Lesenswert.


(Eingestellt von Christoph)

EXPERIMENTELLES FERNSEHEN

Ein Bild aus IDEA, Regie: Jean-Christophe Averty (ZDF, 1968).


Diesen Donnerstag eröffnet in der Deutschen Kinemathek eine neue Ausstellung, die sich mit dem „experimentellen Fernsehen” der 1960er und 70er Jahre in Deutschland beschäftigt. Die Pressemitteilung ist knapp, aber viel versprechend:


„Komponisten, Theaterregisseure und andere Künstler haben in den 1960er und 70er Jahren das Fernsehen als Ort des Experimentierens entdeckt. Unter Auslotung aller technischen und künstlerischen Möglichkeiten des Mediums entwickelten sie neue Gestaltungsformen und provozierten damit die Sehgewohnheiten der Zuschauer. Selbst große Theatermacher wie Peter Zadek (ROTMORD, DER POTT) nutzten das längst zum Massenmedium gewordene Fernsehen, um neue Erzählformen zu finden. Dank Bluebox-Verfahren, Stanztechniken und Negativbildern entstand eine ungewöhnliche, expressive Bildsprache, die wesentlich von der Pop Art beeinflusst war. Damit verbunden sind besonders die Regisseure Bob Rooyens (DUSTY SPRINGFIELD SHOW) und Jean-Christophe Averty (IDEA). Der Komponist Mauricio Kagel entwickelte im Medium Fernsehen visuelle Kompositionen und fantasievolle Collagetechniken (ANTITHESE, MATCH). Auf ein anderes Experiment ließ sich Gerry Schum ein: Mit den „Fernsehausstellungen“ LAND ART und IDENTIFICATIONS schuf er eine neue Präsentationsplattform neben dem Museum, wo er Kunstwerke ohne Kommentar auf dem Fernsehbildschirm ausstellte. Samuel Beckett setzte sich mit den ästhetischen und dramaturgischen Möglichkeiten des Fernsehens auseinander: Er entwickelte eine „poetische Bildsprache“, mit der er sich immer weiter von dem wortreichen Medium entfernte.”



Vom 19. Mai bis 24. Juli 2011
Dienstag bis Sonntag: 10–18 Uhr
Donnerstag: 10–20 Uhr
Montags geschlossen



Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen
Potsdamer Straße 2
10785 Berlin
www.deutsche-kinemathek.de


(Eingestellt von Christoph)

Montag, 16. Mai 2011

ZEITKAPSEL: LEVEL 5

Über LEVEL 5 von Chris Marker (1997).


“If some future ethnologist
gets to see these images,

he'll ponder the funeral rites

of the strange tribes
of the late 20th Century.

I'll be pleased to give details.

Yes, it was customary for such tribes
to address a familiar
and protective spirit
known as a computer
to some of them
and as an electronic calculator
to others.

They'd consult on everything,

it kept their memory.
In fact, they no longer had a memory,
it was their memory.”

Laura trauert in Videotagebüchern um ihren Geliebten, einen Computer-Spiel Designer. Alles was Ihr von ihm bleibt, ist sein letztes Werk, eine unvollendete Simulation der Schlacht um Okinawa von 1945.


“Laura spent time cyberlooking

for Okinawa witnesses and informants,
but, like in any other network,
she found all sorts of things.”

LEVEL 5 ist eine Meditation über das Phänomen der Erinnerung, jene an das japanische Trauma von Okinawa, sowie Lauras an Ihren Geliebten. Das Gedächtnis - gleich ob als Datenbank oder 
Wiederhall menschlicher Erfahrung ist hier, ähnlich wie in Marker’s LA JETÉE, Zeitreise und Selbstbegegnung zugleich.

Trotz VGA-Grafik mit 256 Farben hat LEVEL 5 die langen 14 Jahre (das sind 14. Verdoppelungen der Prozessor-Leistung nach dem Moorschen Gesetz) seit seiner Entstehung im Jahre 1997 
unbeachtet und unangetastet überstanden.

Mit Leichtigkeit vereint und vernetzt Marker das ungleiche Material, fragmentiert und verdichtet, ohne die Fähigkeit zur Selbstironie, die Lust am Absurden zu verlieren.


Die doppelbödige Intimität in Lauras Video-Botschaften, in der sie sich als Vorbotin der heutigen YouTube-Stars erweist - Vorbotin aus einer besseren Welt - macht das Entdecken von LEVEL 5 auch zu einer unheimlichen Erfahrung, die unsere eigenen Erinnerungen an die Zukunft aktiviert. Noch immer wirkt dieser Film wie ein verschollener Zeitreisender. Man wird das Gefühl nicht los, dass man ihm ein Anderes 2011 gegönnt hätte.



Georg Boch




(Eingestellt von Christoph)