Samstag, 30. April 2011

UNTEN MITTE KINN

Hinweis auf Aktivitäten der Mitglieder: 
Nicolas Wackerbarth


Showtime! 
...noch nicht ganz, denn heute zeigen wir meinen neuen Film 
UNTEN MITTE KINN nur dem Team. Doch drei Stills poste ich hier. Da alles von den Schauspielern ohne Vorkenntnisse der konkreten Geschichte improvisiert wurde, bin ich auf die Reaktionen der Mitwirkenden sehr gespannt. Diese "dokumentarische" Arbeitsweise erforderte von den Darstellern extrem viel Vertrauen, das ich während der Dreharbeiten jeden Tag neu erarbeiten musste. Eine lebhafte Entdeckungsreise und eine gute Erfahrung, die mit einem Dreh nach Script, in dem man vor allem auf die beste Umsetzung pocht, wenig zu tun hat. Das Resultat ist eine etwas psychotische, ja beklemmende Komödie. Die nationale Premiere folgt Ende Juni auf dem Filmfest München.




UNTEN MITTE KINN

mit Kathleen Morgeneyer, Anne Müller, Lucie Heinze, Luise Berndt, Grit Paulussen, Konstantin Frolov, Christoph Letkowski, Ole Lagerpusch, Daniela Holtz, Jan Neumann, Fritz Schediwy, Ursula Werner 


REGIE/BUCH Nicolas Wackerbarth KAMERA Bernhard Keller TON Bernd v.Bassewitz SCHNITT Janina Herhoffer CASTING Ulrike Müller DRAMATURGIE Irene Rudolf AUSSTATTUNG Kathrin Krumbein TONGESTALTUNG Adrian Baumeister PRODUKTION Florian Koerner und Michael Weber/Schramm Film REDAKTION Burkhard Althoff/ZDF Das kleine Fernsehspiel


(Eingestellt von Nicolas)

Freitag, 29. April 2011

BIOGRAFISCHER SCHLÜSSEL

Zu den Vorzeichen, die die „Tonart” unserer Wahrnehmung zuverlässig verschieben, gehört der biografische Schlüssel. Dass Martin Scorsese dem Priesterseminar nur knapp entronnen sei, hat schon so manche katholische Lesart seiner Filme rechtfertigen müssen; oft genug verstellen „vielsagende” biografische Details den Blick auf ein Werk eher, als dass sie ihn erhellen. Nuri Bilge Ceylan, längst ein Cannes-regular und damit wohl auch der sichtbarste aller türkischen auteurs, kann sich über die autobiografische Lektüre seiner Filme nicht beschweren – er provoziert sie. Seine Helden, die er gelegentlich selbst spielt, sind Fotografen (wie Ceylan es war) oder Filmemacher, werden geplagt von Konflikten, die Ceylans sein könnten und mehrfach tauchen seine Frau (die auch an den Drehbüchern mitschreibt) und seine Eltern in spiegelbildlichen Rollen auf. Dass Ceylan die Kamera oft selbst führt und seine eigene Wohnung als Drehort verwendet, passt da ins Bild. Trotzdem glaube ich ist der biografische Pfad hier nicht weniger trügerisch als bei einem „unpersönlichen” Filmemacher. Die Übereinstimmungen zwischen Erzählung und Leben scheinen eher äusserlich, die „künstlerische Schöpfungshöhe” beträchtlich. Allerdings fällt es auch mir schwer, den biografischen Schlüssel ganz ausser Acht zu lassen, wenn ich seine Filme sehe. Ich finde zum Beispiel, dass Ceylan gelegentlich „zu fotografisch” erzählt - eine Formulierung, die ohne mein Wissen um seine Vergangenheit wenig Sinn machen würde - insofern seine Art der Bildfindung oft weniger auf die Zeit als Kontinuum („Film”) als auf den statischen Moment („Fotografie”) abzuzielen scheint. Hätte ich das auch „erkannt” ohne das biografische Vorzeichen? Wer weiß. Mit seinem letzten Film ÜC MAYMUN (2008) hat Ceylan übrigens nicht nur die - in der Tendenz - naturalistische Fotografie und den modernistischen Miniplot seiner bisherigen Filme hinter sich gelassen, sondern auch den „autobiografischen” Kosmos. Ceylans neuer Film BIR ZAMANLAR ANADOLU'DA („Once upon a time in Anatolia”), der im Wettbewerb in Cannes zu sehen sein wird, scheint diese Entfernung „von Zuhause” fortzusetzen. Ich bin gespannt, welcher biografische Wink uns diese Wende plausibel machen wird...


Auf Ceylans Seite kann man einige seiner fotografischen Arbeiten sehen, darunter die Serie FOR MY FATHER, aus der auch die Abbildung „Daytime Nap” stammt. Die umfangreichen Bildmanipulationen, die mich an ÜC MAYMUN irritiert haben, sind hier schon vorformuliert.

(Eingestellt von Christoph)

DER TISCH



Der hier schon erwähnte Kevin B. Lee hat - in Zusammenarbeit mit David Bordwell - einen neuen Videoessay produziert. Thema ist OXHIDE II, ein erstaunlicher No-Budget-Film der unabhängigen chinesischen Filmemacherin Liu Jiayin, der täuschend einfach an einer komplexen Erzählung arbeitet. Inspirativ.


(via)


(Eingestellt von Christoph)

Mittwoch, 27. April 2011

ZWEI BAROCKE BILDER




Komisch, dass immer, wenn das Kino beweisen will, dass es „alles” kann, die Grenzen so schmerzlich sichtbar werden. Ein Bild aus Tarsem Singhs IMMORTALS (hier der lächerliche Trailer). 





Zum Vergleich ein anderes barockes Bild: Giovanni Battista Tiepolos Vorentwurf von 1752 für das Deckenfresko „Allegorie der Planeten” in der Würzburger Residenz. Unfair? Aber ja.


(Eingestellt von Christoph)

SONDEN IN RANDBEREICHE DER WELTGESCHICHTE


Sonden in Randbereiche der Zeitgeschichte
Ein Interview mit Alexander Kluge


P.R.-R.: Herr Kluge, Sie haben auf ihrer Webseite www.dcptv.de zum Thema Tschernobyl einige Videos online gestellt. Was treibt Sie dazu an, dieses Thema erneut zu betrachten?

A.K.: Das ist ja nun kein großes Wunder! Wenn Sie die Erfahrung nehmen von Fukushima, dann ist das ja keine eigene Erfahrung von mir, hier in Mitteleuropa, und ich übersetze mir diese Erfahrung in das, was ich erlebt habe mit meiner Familie, meinen Kindern im April und Mai 1986. Mich hat das sehr berührt damals: wir sind richtig geflüchtet, nach Portugal, weil wir einfach niemandem mehr getraut haben. Das heißt also, aus diesem Menetekel, dieser Schrift an der Wand muss man arbeiten, lebenslänglich. Wir haben das nämlich online gestellt nicht jetzt, sondern vor einem halben Jahr und da wussten wir ja nichts von Fukushima...

L.D.: Das war uns nicht bewusst.

A.K.: Ja. Jetzt haben wir vor einer Stunde sieben Stunden über Japan online gestellt.

P.R.-R.: Sieben Stunden!

A.K.: Sie wissen schon, dass die Filme, die meine Freunde oder ich machen, verschiedene Längen haben. Also sieben Stunden bedeutet nicht an einem Stück etwa. Sondern es besteht in größeren und kleineren Elementen, auch aus sehr kurzen Stücken bis herunter zu einer Minute. Aber dafür ist es so möglich, die ganzen Aspekte der Katastrophe auf dem Hintergrund alles dessen, was in Erscheinung tritt, zu betrachten. Mich hat bei Tschernobyl etwas, was kein Bild werden kann, aber ein Bild ist, frappiert, nämlich: die Halbwertzeit einiger dieser gefährlichen Strahlenpartikel ist dreihunderttausend Jahre; die Regierung, die das Ganze zu organisieren hatte (also erst nicht verhindert hat, dann schlechtes Management gemacht hat und dann nicht helfen konnte), die hat eine Halbwertzeit von zweieinhalb Jahren.

P.R.-R. Was sind für Sie unsichtbare Bilder?

A.K. Ein unsichtbares Bild steht im Kontrapunkt zu dem, was in seinen Auswirkungen natürlich sichtbar ist – also: die Radioaktivität auf der Haut, die können Sie sehen; und wenn Sie Fotos machen oder Dreharbeiten in dem ehemaligen Tschernobylgelände, dann sehen Sie, dass es eine Landschaft außerhalb der Welt ist. Aber das wirkliche und unsichtbare Bild, das ist dieser Gegensatz der Halbwertzeiten.

P.R.-R.: Sie sprachen von der Haut. Wie kann man das Thema: Haut im Medium des Films verarbeiten, das ja gewissermaßen auf die Absenz des abgelichteten Körpers beruht?

A.K.: Auf Französisch heißt das Filmmaterial pelicule oder: Haut. Es zeichnet Licht auf, was auch unsere Haut tut, die dauernd mit Strahlung umgeht. Wenn ich Ihnen da eine Geschichte erzählen darf. Wiederum ein Bild, das man nicht sehen kann: die Wissenschaftler an der Universität Sendai bei Fukushima haben vier Wochen vor dem Tsunami eine Publikation veröffentlicht, in welcher stand, dass jetzt schon tausendeinhundert Jahre vergangen sind seit dem letzten Megabeben und, dass sich dies bald wiederholen wird. Und dann kam es. So etwas entspricht einem Gongschlag der Natur, der tausendjährig tönt.

P.R.-R.: Könnte man das auch mit den Begriffen: Lebenszeit und Weltzeit umschreiben?

A.K.: Das können Sie so sagen. Und es ist für uns ganz wichtig, dass wir gewissermaßen noch einmal in die Fußstapfen von Voltaire treten, der das Erdbeben von Lissabon beobachtete und sagte: wieso darf die Natur die Menschenverfassung derart beleidigen und verletzen? Führet den Krieg gegen die Natur, sagte er. Diese Vorstellung hat einen hohen Grad an Absurdität: Das ist ja nicht nur Reaktion, sondern: Witz plus Reaktion. Das ist ein Till-Eulenspiegel-Geist französischer Art. Die Niederlande aber beispielsweise zeigten, dass es möglich ist durch Gemeingeist und durch Kooperation, Dämme zu bauen. Wenn das Land zu niedrig liegt und die Nordsee zu grausam ist, kann man sich trotzdem gegen sie verteidigen. Das ist die andere Seite von Lissabon. Es gibt also auch Siege im Verhältnis zur Pranke der Natur. Und dies alles wird im achtzehnten Jahrhundert diskutiert. Heutzutage ist es anders, was aber nichts daran ändert, dass in den Menschen Erschütterungen entstehen, und zwar durch Fernempathie. Theodor Fontane behauptet, dass der Stechlinsee in der Mark Brandenburg eine Gänsehaut bekommt auf seiner Oberfläche wenn in Java ein Vulkan explodiert und Menschen vernichtet; und da würde ich behaupten, dass das Erdbeben, das eine Verrückung von ganz Japan um vier Meter verursachte, über die ganze Welt gegangen ist und uns hier auch um ein Paar Millimeter bewegt hat.

Freitag, 22. April 2011

'DAS HIMMLER-PROJEKT' IN PARIS



Romuald Karmakar im Gespräch mit Alexander Kluge.


Zur Erinnerung: kommenden Donnerstag (28.04.2011) zeigen wir im Goethe Institut Paris Romuald Karmakars Geschichtsbefragung DAS HIMMLER-PROJEKT. Hier der ausführlichere Post zum Thema, dort der Goethe-Link.


P.S.:
Überbau meldet: HEUTE ABEND, Dienstag (26.04.2011) 20 h, zeigt das Zeughauskino Berlin Karmakars selten zu sehenden Dokumentarfilm LAND DER VERNICHTUNG.


(Eingestellt von Christoph)

Donnerstag, 21. April 2011

DOMBAUHÜTTE



Ein Video aus der „Dombauhütte”, für die Gläubigen das Draussen (zu denen ich definitiv nicht gehöre): Peter Jackson führt durch Sets und Werkstätten seines HOBBIT-Films, der zur Zeit in Neuseeland entsteht. Produktionstechnisch so weit jenseits unserer Praxis („fremde Riten”), dass  sich der Gedanke an eine andere Religion aufdrängt. 


(Eingestellt von Christoph)

SINKFLUG

Als ich anfing, mich für Film zu interessieren, gab es niemanden in Europa, dessen Prestige größer war als das Federico Fellinis. Kritik und Publikum schienen einig, dass dieser Mann „das Kino selbst” sei, und auch wenn das Spätwerk weniger Stimmen auf sich vereinen konnte als die ersten 8 1/2 Filme, blieb er doch ein Gigant, dessen Drehbücher, Memoiren und Skizzenbücher man im filmbucharmen Deutschland überall kaufen konnte. Noch als die ersten Multiplexe gebaut wurden, hiessen die hässlichen, hauseigenen Bars gerne „Fellini” oder „Cinecitta”; auch dort also, wo man seine Filme nie zeigen wollte, schmückte man sich gerne mit seinem Namen. Casaros Kitsch-Paraphrase von Rafaels „Schule von Athen”, die Fellini als Meister aller Klassen zeigte, der die größten (amerikanischen) Stars mit Megaphon in Schach hielt, muss sich damals blendend verkauft haben. Als „Mr. Cinema” dann starb, fragten sich manche im deutschen Feuilleton ernsthaft, ob damit auch das Kino zu einem Ende gekommen sei. Nun, diese Frage hat sich erledigt, und Fellinis Ruf ist, scheint mir, seither im Sinkflug begriffen, was sich vielleicht am klarsten am Misserfolg seiner „Erben” zeigt. Peter Greenaway, Terry Gilliam und Emir Kusturica verkörperten eine Weile höchst erfolgreich bestimmte Aspekte eines felliniesken Kinos, irgendwo zwischen Bilderzirkus und Kinomärchen - und wirken heute reichlich anachronistisch. Greenaway, gefeierte Ikone des referenzgesättigten Konzeptfilms, arbeitet inzwischen multimedial mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Gilliam, dessen Konflikte mit den Studios einer breiten Öffentlichkeit einmal als Kampf der Fantasie gegen das Geld schlechthin galten, scheint finanziell und künstlerisch zweite Wahl geworden. Kusturica, der die Palmen, Bären und Löwen bündelweise gewonnen hat, gefällt sich in reaktionären Gesten, als Filmemacher ist er längst abgeschrieben. Und Fellini? Hat sich wieder eingegliedert in die reiche Geschichte des italienischen Kinos, zu deren Zampano man ihn (und er sich) gemacht hatte – und wartet auf sein Comeback. Die Konjunkturen der Aufmerksamkeit sind launisch, aber die Chancen auf eine Wiederkehr stehen womöglich gar nicht schlecht. Nicht nur, weil die Filme das verdient hätten (auch wenn sie ohne den Kult um den Schöpfer wahrscheinlich besser zu erkennen sind), sondern auch, weil Fellini als Vorbild gebraucht wird. Dem Weltkino heute fehlen Dompteure, die „die Welt entlang ihrer Leidenschaften zähmen” (wie Frieda Grafe einmal geschrieben hat) und in der Arena nicht so sehr für Ordnung als für Leben sorgen...






(Eingestellt von Christoph)



DOG DAY VIDEO



Der hier kürzlich erwähnte Steven Santos hat einen neuen Webessay gepostet - eine Hommage an Sidney Lumet (1924-2011) und seinen vielleicht besten Film, DOG DAY AFTERNOON (USA 1975). Macht große Lust, Lumets Film(e) wieder zu sehen.


P.S.: 
Zu Lumets Film drei Jahre vorher entstandenem THE OFFENCE gibt es auf Romuald Karmakars Blog Filmsyoushouldsee zwei sehenswerte Posts: 1 und 2.


David Bordwell schreibt hier wie immer sehr kenntnisreich und sachlich über Lumets Karriere.


(Eingestellt von Christoph)

Mittwoch, 20. April 2011

NÄCHSTE WOCHE, 'AM WALDRAND'



Die französische Filmemacherin Geraldine Bajard, die man getrost als Berlinerin bezeichnen kann – sie hat an der DFFB Film studiert und lebt in der Stadt – hat ihren ersten Spielfilm an der Grenze angesiedelt: räumlich, wie es der Titel andeutet, aber auch stilistisch. In ihrem Regiekommentar schreibt sie, der Film spiele mit Elementen des Genrefilms, sei aber „weder eine Kriminalgeschichte noch pure Fantasy, sondern eher eine Fiktion, deren ins Extreme gesteigerter Realismus die Geschichte in ein unwirkliches und bedrohliches Universum führt. (...) Sowohl beim Schreiben als auch beim Dreh und beim Schnitt habe ich immer danach gestrebt, einen Film zu machen, der sich durch starke Empfindungen, Impressionen, Farben entwickelt. Ich wollte die psychologische Dimension mehr durch die Bewegung als durch Worte darstellen und eine Atmosphäre schaffen, die sich immer mehr auflädt, bis hin zur finalen Explosion oder vielmehr Implosion.”


Nächste Woche (28.04.2011) kommt der Film, nach seiner Uraufführung in Locarno letzten Sommer, in ausgewählte deutsche Kinos. Verleih: Realfiction.


(Eingestellt von Christoph)

SPIEGELUNGEN

BERLIN REMAKE. Installationsansicht.


Die Amerikanerin Amie Siegel, Regisseurin von Filmen wie EMPATHY oder DDR/DDR, könnte man anhand vieler ihrer Arbeiten als „Kunstforscherin” bezeichnen. Ihre Filme und Videos befragen Räume und Architekturen, untersuchen Möbel oder Bilder, und immer wieder stehen auch Filme im Mittelpunkt ihrer Neugier. So etwa in ihrer großartigen Installation BERLIN REMAKE, die einzelne Einstellungen aus dem Korpus der Filmgeschichte der DDR herauslöst und sie „leer” in der Gegenwart wiederholt. Das Ergebnis ist eine beziehungsreiche Parallelbewegung, die die Einstellung als „Container” von story und history, von Autorenwille und Zeitgeist bestätigt und in Frage stellt. 


Malle vs. Siegel


Ihre neue Arbeit BLACK MOON (die vergangenen Oktober in der Berliner Krome Gallery zu sehen war), bestehend aus Fotos, einer Videoinstallation und einem Kurzfilm, lässt sich, einerseits, als sehr loses „Remake” des gleichnamigen Filmes von Louis Malle verstehen, „übertreibt” die Aneignung aber andererseits bis ins Reenactment des Regie-Interviews. Siegels Kurzfilm, das Centerpiece der Arbeit, deutet eine (im Zuge der Finanzkrise) gescheiterte Immobilienentwicklung in Florida als Kriegsschauplatz der Zukunft, in dem bewaffnete Frauen Standardsituationen des Kriegsfilms nachspielen / „besetzen”.


BLACK MOON wird im Mai in der Semaine de la Critique gezeigt.


Ein Bild aus Siegels Kurzfilm BLACK MOON.
(Eingestellt von Christoph)

Sonntag, 17. April 2011

LET'S ...



Ein Video, das ich mir in den letzten Monaten wieder und wieder angesehen habe... Hier ein neuer Kandidat für Repeat Pleasures:




(via)


(Eingestellt von Christoph)

Donnerstag, 14. April 2011

SLEEPING BEAUTY?



Die Australierin Julia Leigh, zuletzt als Romanautorin („The Hunter”) erfolgreich, präsentiert mit SLEEPING BEAUTY ihren ersten Film. Der bestechend fotografierte, alptraumhafte Trailer erinnert an Jean-Claude Carrière (von BELLE DE JOUR bis BIRTH) und Kubrick (EYES WIDE SHUT) und rückt den Film - so spekulativ eine solche Zuschreibung zu diesem Zeitpunkt sein mag - in Richtung jener verfeinerten Misantropie, die zuletzt so viel von sich reden machte. Ich meine Filmemacher wie Lanthimos (DOGTOOTH), Sorrentino (IL DIVO) oder auch Guadagnino (I AM LOVE), um hier nur die Prominentesten zu nennen, die ihr großes formales Können in den Dienst einer, sagen wir, hermetischen Behauptung stellen, Ambivalenzen aus Gründen einer ästhetischen Wunsch-Genealogie kultivieren, angesichts der letzten Dinge aber ganz unpersönlich bleiben. Trotzdem: Ich bin gespannt.


(Eingestellt von Christoph)

SCHLEINZER UND DRESEN IN CANNES

Im Wettbewerb: Markus Schleinzers MICHAEL.


Eben ist die Cannes-Pressekonferenz (sélection officiel) zu Ende gegangen. Im Programm, das man hier herunterladen kann, ein paar schöne Überraschungen. Zum Beispiel: Markus Schleinzers erster Film, MICHAEL, im Wettbewerb. Der Österreicher Schleinzer hat als Caster u.a. für Michael Haneke und Benjamin Heisenberg gearbeitet und in DER RÄUBER auch eine kleine Rolle übernommen (die des Bewährungshelfers). Sein erster Film, ein Art Entführungsdrama, „beschreibt die letzten fünf Monate unfreiwilligen Zusammenlebens des 10jährigen Wolfgang und des 35jährigen Michael.” Als einziger deutscher Filmemacher im offiziellen Programm (Un Certain Regard) ist Andreas Dresen mit HALT AUF FREIER STRECKE vertreten, in dem Krankheit in das gemachte Glück einer Familie eindringt (ein Bild habe ich nicht gefunden). Naomi Kawase, deren SHARASOJYU mich sehr beeindruckt hat (während ich ihren letzten Film, MOGARI NO MORI, wenig abgewinnen konnte) hat mit HANEZU NO TSUKI den „Sprung” in den Wettbewerb geschafft; der erstaunlich produktive Hong Sangsoo zeigt mit THE DAY HE ARRIVES wieder einen Film in Un certain Regard (wo er im letzten Jahr den Hauptpreis gewonnen hat) usw. usw.


Das Programm der Semaine de la Critique wird am 18.04. veröffentlicht, die Quinzaine des Réalisateurs folgt am 19.04.2011. Die Cannes-Auswahl von L'ACID ist inzwischen ebenfalls online. 


P.S.:
In der Cinéfondation Sélection sind zwei Berliner Kurzfilme zu sehen, nämlich Doroteya Doumevas DER BRIEF (dffb) und Maria Steinmetz' DER WECHSELBALG (HFF Konrad Wolf, hier ein kurzer Trailer). Wir gratulieren.

Kathleen Morgeneyer als Maja in Doroteya Doumevas DER BRIEF.
Ein Bild aus Maria Steinmetz' DER WECHSELBALG.

(Eingestellt von Christoph)

Mittwoch, 13. April 2011

BASS / HILLMANN







Interessant, wie die wunderbaren Plakate von Hans Hillmann und Saul Bass sich im Stil teils erstaunlich nahe kommen. Von den Plakaten Hans Hillmanns findet sich eine kleine Bilderserie im Revolver Heft 19, oder auf unserer Website. Einige Plakate und Storyboards von Saul Bass findet man auf dieser Beschreibung einer Londoner Ausstellung.


(gepostet von Benjamin)

HISTORISIERUNG

In der neuen Spex gibt es ein paar Texte, die uns angehen. Klaus Theweleit schreibt über „60 Jahre Cahiers du Cinéma”. Ralf Krämer interviewt Pierre Gras über „10 Jahre Berliner Schule” - und streift dabei auch Revolver. In Sachen B.S. schreiben auch Barbara Schweizerhof (über Maria Speths 9LEBEN und Ulrich Köhlers SCHLAFKRANKHEIT) und Esther Buss (über DREILEBEN von Petzold/Graf/Hochhäusler). 
...


Ralf Krämer:
Die Wechselwirkungen von Filmkritik und Filmemachen sind in Frankreich Legende. Aus der Redaktion der Cahiers du Cinéma ging die Nouvelle Vague hervor, auch Olivier Assayas, der zuletzt mit CARLOS für Aufsehen sorgt, hat dort lange als Redakteur gearbeitet. Die Regisseure aus dem Kreis der Berliner Schule erschreiben sich mit der Filmzeitschrift Revolver gewissermaßen ihre eigene Sekundärliteratur. Was bedeuten diese unterschiedlichen Ansätze?


Pierre Gras:
Zunächst: Die Cahiers du Cinéma haben – und das spricht dann vielleicht doch für ein in Frankreich generell größeres Interesse an der Filmkunst – eine Auflage von etwa 30.000. Davon sind vergleichbare deutsche Zeitschriften weit entfernt. Aber abgesehen von den unterschiedlichen historischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen unterscheiden sich die Ansätze nicht wirklich. Heute wird in Revolver wie damals in den Cahiers von Filmemachern über das Filmemachen nachgedacht. Sie formulieren ihre Ansprüche an das Kino und führen Interviews mit ihren Vorbildern 
...
Revolver hat, übrigens, eine Druckauflage von 2000 Stück.


(Eingestellt von Christoph)

OPHELIA, AGAIN

Als wir uns vor ziemlich genau 13 Jahren aufmachten, um Lars von Trier in Dänemark zu besuchen - die Geburtsstunde von Revolver - hatten wir auch ein Geschenk im Gepäck: einen dicken Ausstellungskatalog über die viktorianische Malerei „von Turner bis Whistler”. von Trier, damals gerade im Schnitt von IDIOTERNE, bedankte sich artig und meinte lachend, dass er sich davon - gemeint war der Symbolismus, das Dekorative - doch gerade zu emanzipieren suche. Wir seien uns sicher, er würde früher oder später zurückkehren, entgegneten wir. Diese kleine Anekdote viel mir ein, als ich mir eben den Trailer für MELANCHOLIA angesehen habe (s.u.). Natürlich ist der Kampf der zwei (oder drei) Seelen in von Triers Brust in all seinen Filmen anwesend, aber nach dem gothic joke ANTICHRIST scheint die (Rück-) Besinnung auf das Viktorianische doch unbestreitbar...







Annäherungen an ein Bild: „Ophelia” von John Millais (1851-52), Nicole Kidman in DOGVILLE, Charlotte Gainsbourg in ANTICHRIST, Kirsten Dunst in MELANCHOLIA.




(Eingestellt von Christoph)

Freitag, 8. April 2011

Donnerstag, 7. April 2011

SANTOS ÜBER 'McCABE & MRS. MILLER'



Steven Santos, ein New Yorker Cutter und Blogger (thefinecut) gehört zur wachsenden Zahl amerikanischer Cinephiler, die neben Texten auch Videoessays produzieren. Er war an einer Episode von Matt Zoller Seitz schöner Serie „Fame through Movies” beteiligt und hat nun auch zwei eigene Essays online gestellt, über Robert Altmans McCABE & MRS. MILLER (USA 1971) sowie Fritz Langs M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (D 1931). Der Essay über M (und seinen Einfluss auf den Film Noir) ist für meinen Geschmack pädagogischer als nötig, der Altman-Beitrag aber ist schön und beziehungsreich.


 Hier ist Santos' Vimeo-Kanal.


(Eingestellt von Christoph)

Mittwoch, 6. April 2011

REVOLVER ZEIGT KARMAKAR

REVOLVER @ GOETHE PARIS (4)


Auf Einladung des Goetheinstituts Paris - Carte Blanche für Revolver - haben wir eine kleine Reihe mit deutschen Filmen zusammengestellt, die uns persönlich wichtig sind und so etwas wie eine alternative deutsche Filmgeschichte umreissen, jenseits der in Frankreich gut etablierten Säulen Weimarer Kino und dem „Fassbinder-Herzog-Wenders-Komplex”. Mehr über die Reihe findet sich hier.


Als vierten Film zeigen wir am 28. April Romuald Karmakars DAS HIMMLER-PROJEKT (D 2000), ein schroffes Meisterwerk radikaler Geschichtsbefragung, das trotz seines legendären Status' nur selten zu sehen ist. (Der Film ist bei Absolut Medien auf DVD erschienen.)


Manfred Zapatka in Romuald Karmakars DAS HIMMLER-PROJEKT.


Hannes Brühwiler, der den Film persönlich vorstellen wird, schreibt im Begleitheft über den Film:


Am 4. Oktober 1943 sprach Heinrich Himmler, der Reichsführer der SS und damalige Innenminister, in Posen vor 92 Generälen der SS. Seine berüchtigte Rede dreht sich um die aktuelle Kriegslage, die Moral der SS und - kurz - auch um die Vernichtung der Juden. Romuald Karmakar lässt Manfred Zapatka diese auf Wachsplatten aufgezeichnete Rede emotionslos und ohne jegliche Nachahmung Himmlers in einem Studio vorlesen. DAS HIMMLER-PROJEKT ist ein präzise inszenierter und beeindruckend einfacher Film, der ganz ohne die im Dokumentarfilm sonst so üblichen Kommentare auskommt und stattdessen auf die Intelligenz der Zuschauer vertraut. Ein Schlüsselfilm des deutschen Kinos, der einsam aus der Flut der Spiel- und Dokumentarfilme über das Dritte Reich herausragt.”

Am 28. April 2011 um 19.30 h im Kino des Goetheinstituts Paris.


Goethe-Institut - 17 avenue d'Iéna, 75116 Paris
Originalfassung mit französischer Untertitelung
4€; 3€ für die Inhaber der Carte Goethe
Tel. +33 1 44439230



---


NOTIZ ZUR RECHERCHE


Auf meine Bitte hat uns Romuald Karmakar ein paar Seiten und Buchtitel aus der Recherche zu dem Film geschickt; vielleicht könnte man sagen: die Tiefe der vorbereitenden Beschäftigung ist die Wurzel der Widerständigkeit seiner Kunst.



Er schreibt zu den Scans unten:


„In dem Buch von Richard Breitmann bin ich über die Fußnote 50, S. 319 zum ersten Mal auf Divergenzen zwischen der bekannten, oft zitierten Textfassung wie sie in den Nürnberger Prozessakten vorliegen und der Audiofassung aufmerksam geworden. Siehe dazu auch S. 318 unten.*

Das Buch von Bradley F. Smith war auch wichtig für HP, da ich hier viel über den Redner Himmler gelernt habe.” R.K.

*)
Karmakar hat dann für den Film nicht auf die korrigierte und redigierte Textfassung zurückgegriffen, sondern die Tonaufnahme neu transkribiert. Auf diese Weise rückt die Sprechart so nahe wie möglich an Himmler - bei konsequenter Verweigerung einer Nachahmung seiner Sprechweise.








(Größer: doppelklicken)


(Eingestellt von Christoph)