Freitag, 27. Juni 2014

ZU BESUCH IN MOSKAU






Spazieren mit den Kuratoren Tatjana Kirjanowa und Mikhael Ratgauz, die beide lange in Deutschland gelebt haben und die Berliner Schule dort für sich entdeckt haben und mit dem zweiten deutschen Gast Michael Baute.


Das Stalinhochhaus an der Kotelnitscheskaja Nabereschnaja, der Uferstrasse der Moskva und dem Nebenfluss Jausa, dort hatten die Filme ihre Premiere im alten Kino "Illusion", in dem es noch Filmprojektoren gibt.


Die Moskauer schauen die Filme mit grosser Begeisterung und geben Mikhaels These Recht, dass sie sich wiedererkennen in diesen Geschichten. Die Diskussionen geraten zu enthusiastischem Austausch, das Detailwissen der Leute ist verblüffend, die Lust die Frage "Wie soll man leben?" mit uns zu diskutieren unerschöpflich.



Die Wiederholungen liefen im Kino "Oktober" einem Mulitplex Kino am Novij Arbat, der 60er Jahre Prachtmeile. Heute nur noch in voller Festivalbeleuchtung geniessbar.




Zu Besuch im Eisenstein-Museum, seit 50 Jahren steht Naum Kleiman im Dienst des Regisseurs, die Wohnung ist eine Wunderkammer seiner Gedankenbewegungen: von Walt Disney zur "Pensée Chinoise".



Auf dem Festival wurde auch MNE DVADZAT' LET auch ZASTAVA ILITSCHA  (ICH BIN 20 oder LENINS GARDE - ein Ortsteil von Moskau) von 1965 gezeigt, ein ehemals verbotener Tauwetterfilm und der Regisseur Marlen Khutsiev erzählte mir von seiner unvergleichlichen Kamerafrau Margarita Pilikhina.


Leicht und ernsthaft, im internationalen Look der 60er Jahre, scheint der Film ein Vorgänger der gezeigten Berliner Filme mit ihren leeren Plätzen und die Moskauer nahe Freunde, denen man zuhören muss.



(Saskia Walker)


Freitag, 30. Mai 2014

HEFT IN SICHT!


Revolver Heft 30 geht kommende Woche in Druck! Die Auslieferung beginnt Ende Juni. Die neue Nummer enthält Interviews mit Kira Muratova + Evgenij Golubenko, Ula Stöckl, Frederick Wiseman sowie Texte von Serge Bozon und Amy Lockhart. Mehr dazu demnächst.

(Eingestellt von Christoph)

Dienstag, 27. Mai 2014

DOKUMENTARFILME FÜR KINDER UND JUGENDLICHE

HINWEISE AUF AKTIVITÄTEN DER MITGLIEDER
MARCUS SEIBERT

©Bernd Sahling, Ednas Tag

Ankündigung Europäisches Symposium
Dokumentarfilme für Kinder und Jugendliche
11. – 13. September 2014 / Filmforum NRW (Kino im Museum Ludwig) Köln


Die Herbsttagung der Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW (dfi) widmet sich 2014 dem Stand und der Weiterentwicklung des Kinder- und Jugenddokumentarfilms in Deutschland und den europäischen Nachbarstaaten. Die Branche aus den Benelux- und skandinavischen Ländern, Portugal, Frankreich, Polen und anderen osteuropäischen Staat sowie aus Deutschland wird in Köln zu Gast sein. Das Symposium dient dem Austausch darüber, was günstige Strukturen für die dauerhafte Präsenz von Dokumentarfilmen für junge Zielgruppen sind und  wie das Internet für die Rezeption der dokumentarischen Formen genutzt werden kann. Die Diskussion wird in Deutsch und Englisch geführt.

Das Europäische Symposium findet vom 11. – 13. September 2014 in Köln statt. Beginn am 11. Sept. ab 14.00 Uhr.

Weitere Informationen und Anmeldung ab Ende Juli 2014 auf der Homepage der dfi www.dokumentarfilminitiative.de
Veranstalter: dfi-Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW

(eingestellt von Marcus)


Donnerstag, 15. Mai 2014

FREIZEIT HEISST FREIHEIT



Vor fast 10 Jahren, im Juni 2005, haben wir der deutschen Filmkritik eine Ausgabe gewidmet (Revolver Heft 14 kann man hier gratis herunterladen), weil wir das Gefühl von einer tiefen Krise hatten. Im Vorwort hatte ich damals geschrieben „...Von einer Blüte deutscher Filmkritik ist nicht die Rede. Ein freier, vielstimmiger Diskurs über das Kino scheint kaum stattzufinden. Der Explosion filmbezogener Texte steht eine immer aggressivere Einmischung des Marketings gegenüber – und zugleich scheint der „Markt“ immun gegen Gift und Feuer des Feuilletons. Film ist eine soziale Kunst und entsteht in einem dynamischen Zusammenhang. Der Zustand der Kritik geht also alle an; er beschreibt sein Gegenüber.” 

Seitdem ist viel und wenig passiert. Die Krise des Geschäftsmodells Tageszeitung hat die alten Konflikte weiter verschärft. Die Frankfurter Rundschau, die einmal Modell für eine andere Filmkritik gewesen war, existiert nach der Pleite nur mehr dem Namen nach. Die Netzwelt hat sich ausdifferenziert. Aggregatoren sind wichtiger geworden, allen voran der Perlentaucher. Das Kino findet (fast nur noch) digital statt. Michael Althen ist gestorben. Mit der Filmzeitschrift CARGO, die es seit 5 Jahren gibt, hat sich zumindest ein souveräner Spieler etabliert. Und mit dem Flugblatt „für eine aktivistische Filmkritik”, das vor zwei Wochen auf den Kurzfilmtagen Oberhausen präsentiert worden ist, gibt es zum ersten Mal seit langem wieder so etwas wie eine selbstbewusste Kampfansage – nicht der deutschen Filmkritik, aber doch einer relevanten Fraktion, die nicht zufällig eng verbunden ist mit der Netzcinephilie, von der wir damals nur eine erste Ahnung hatten.

Wir haben deshalb beschlossen, die Initiatoren des Flugblatts einzuladen, um mehr darüber zu erfahren, wie eine „aktivistische” Filmkritik aussehen könnte und wie es weiter gehen soll mit den angedeuteten großen Plänen. Am 24. Oktober wird es dazu im Roten Salon der Berliner Volksbühne eine Revolver-Veranstaltung geben, genaueres demnächst. Vorab aber schon mal drei lesenswerte Texte der „Aktivistizisten” Dunja Bialas („Ein anderes Kino ist möglich”),  Frédéric Jaeger („Inspiration zum Widerstand”) und Dennis Vetter („Die Filmkritik meint es gut mit dem Kino”). Vetter schreibt in seinem gestern veröffentlichtem Essay:

„... Freizeit heißt Freiheit. Und die kann auch durch Arbeit passieren, gedankliche Arbeit, die wir uns selbst aussuchen. Weil es Spaß macht und erfüllend ist, wenn wir herausgefordert werden ohne es zu müssen. Frei denken heißt, sich mit der Welt beschäftigen, nach eigenen Maßstäben. Gutes Kino tut genau das: sich mit der Welt beschäftigen. Das heißt nicht nur, aber unbedingt auch, kritisch zu sein und sich ein wenig Gedanken zu machen über Dinge. Worüber man sich nämlich keine Gedanken macht, das ist einem egal. Und die Welt, die Gesellschaft, sollte nicht egal sein. Nachzudenken bedeutet auch, schätzen zu lernen was man hat; das Leben bewusst auszukosten, feinsinnig, reichhaltig, euphorisch und gerne auch geschmackvoll. Bilder zeigen uns endlos viele Perspektiven, um genauer hinzusehen und den Dingen, auch uns selbst, nachzuspüren. Wenn man sie lässt. (...)”

Ich bin gespannt,

Christoph

Montag, 12. Mai 2014

HANS HILLMANN (1925-2014)

Hans Hillmann, der große Plakatgestalter und Illustrator, ist tot. Er starb 88-jährig bereits am 4. Mai in Frankfurt am Main. Wie traurig. Mit Hans Hillmann verbindet mich nicht nur die Liebe zur kraftvollen, reduzierten Grafik, sondern auch ein regelmässiger Kontakt, der seit unserem Revolver-Live-Abend 2007 nie abriss. Ich habe ihn als großzügigen und dabei ganz leisen Menschen kennengelernt, der sich (etwa bei einem Atelierbesuch) gerne in die Karten schauen liess und bis zuletzt voller Neugier für die Kunst der Anderen war. Für die Ausgabe 3/12 der Neuen Rundschau hatte ich zuletzt über Hillmanns grafische Hammett-Bearbeitung „Fliegenpapier” geschrieben (den Text kann man hier nachlesen), die womöglich bald in einer Neuauflage erscheint. Das nachfolgende Interview ist – als Verschriftlichung des Live-Abends – in Revolver Heft 19 (2008) erschienen.


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ABEND DER GAUKLER
(Regie: Ingmar Bergman, Schweden 1953)
Plakat: Hans Hillmann 1958
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Hillmann:
Deutschland war eine ziemliche Kinowüste damals, Anfang
der 50er Jahre, als die „Neue Filmkunst“ gegründet
wurde von Walter Kirchner und dem künstlerischen
Leiter Werner Schwier. Als Professor Hans Leistikow –
unter dem ich damals studierte – von Kirchner 1952 aufgefordert
wurde, Plakate zu machen, hat er daraus einen
Klassenwettbewerb der Studenten gemacht. Und so
habe ich die ersten dieser Filme gesehen und angefangen,
Filmplakate zu machen. Das ist ja ein zweifacher
Verdienst gewesen: Einmal haben Herr und Frau Kirchner
und Herr Schwier diese wichtigen Filme herausgebracht,
die man sonst nicht sehen konnte – von Frankfurt
oder Berlin aus war das nächste Filmmuseum die
Cinématique in Paris. Zum anderen aber waren sie der
Meinung, dass man Filmkunst auch künstlerisch vermitteln
müsse. Jedenfalls kamen so die ersten Wettbewerbe
zu Stande. Als ich mir diese frühen Arbeiten im
Vorfeld noch einmal angesehen habe, habe ich festgestellt,
dass sie fast alle den Titel visualisieren, auch
wenn der natürlich nicht unbedingt identisch ist mit
dem Thema eines Filmes. Das Plakat zu „Abend der 
Gaukler” ist im Grunde genommen eine Fortsetzung des
Titels, der aus Worten besteht, im Bild – also die Fortsetzung
dessen, was das Wort aussagt. Ähnlich verhält
es sich bei „Sturm über Asien” oder „Hafen im Nebel”.
Hochhäusler:
Sie haben jeweils einen ziemlich pauschalen Auftrag
bekommen. Wie ging das genau vor sich?
Hillmann:
Das ging so, dass ich einen Anruf bekam und dann wurde
vereinbart, wo ich den Film sehen konnte. Das war in
der Regel am Nachmittag, wenn das Kino leer war. Und
dann fuhr ich da hin, wo immer das war, in Frankfurt,
Kassel oder Göttingen. Ich habe mir den Film angesehen
und neben mir eine Kamera auf dem Stativ aufgestellt,
eine Rollei. Und während der Film lief, habe ich
dann Fotos gemacht. Wenn ich Glück hatte, kannte ich
bereits die Geschichte, wusste, worum es in dem Film
ging. Aber das war nicht immer der Fall, manchmal habe
ich auch Filme gesehen, von denen ich keine Ahnung
hatte. Dann habe ich einfach alles aufgenommen, was
mir an Bildern wichtig erschien. Diese Methode hat sich
sehr bewährt, weil diese Bilder eine andere Qualität haben.
Ich weiß nicht, wie das heute ist beim Filmemachen,
aber früher war es bei Spielfilmen so, dass die
Schauspieler zurück ans Set mussten, wenn eine Szene
abgedreht war, um für den Fotografen zu posieren. Dass
diese „Standbilder“ dann meistens schwächer waren,
lässt sich leicht denken. Auf der anderen Seite waren
diese Stills technisch natürlich viel perfekter als meine
im Kino geschossenen, weil sie mit einer großformatigen
Kamera aufgenommen wurden.
Hochhäusler:
Das hat etwas von einer geheimen Mission: Ein leeres
Kino am Nachmittag, ein Film, ein Auftrag. Und dann gab
es ja eine lange Zeit, oft Wochen, in der Sie reflektieren
durften, bevor es zur Abgabe kam. Was mich vor allem
interessiert ist die Frage, was in diesen Wochen passiert
ist. Ich finde auffällig, dass sich ihre Plakate ganz tief mit
den Filmen beschäftigen – mit den Geschichten, mit den
Themen. Es sind erzählerische Plakate.
Hillmann:
Man sieht ja hier an diesem Plakat „Abend der Gaukler“,
dass zwei Bilder ablesbar sind auf größere Entfernung.
Ich hatte die Vorstellung – in wieweit das dann klappt,
weiß man ja nie so genau – dass man beim Lesen von
„Abend“ den Mond sieht. Und wenn man beim Lesen von
„Gaukler“ die Figur anschaut, sieht man eine Arena.
Ich habe immer Skizzen gemacht von den Filmen und
habe dann nachvollzogen, was noch alles passierte. Ich
habe mir überlegt, was wichtig ist an einem Film und in
diesem Fall waren die Worte des Titels „Abend der
Gaukler“ sehr bestimmend für mich. Dann habe ich telefoniert
und fuhr mit meinen Skizzen zum künstlerischen
Leiter Werner Schwier, der zunehmend die Beurteilung
der Plakate übernahm. Wir waren befreundet
und haben uns gut verstanden. Zusammen haben wir
uns die Entwürfe angesehen, die ich in Postkartengröße
mitgebracht hatte. Es waren Zeichnungen in schwarzer,
dicker Farbe, ziemlich grob aufgetragen. Zum Druck hab
ich das Plakat in Linoleum geschnitten, auch die Schrift.
Nur die kleine Schrift und das Ding in der Mitte, das war
ein Klischee. Ich weiß nicht, wen das heute noch interessiert,
aber das wurde im Buchdruck gemacht.
Publikum: Wie hoch war die Auflage?
Hillmann:
Das weiß ich nicht mehr. Aber mit dem Buchdruck
konnte man problemlos 1000 Stück drucken. Ich habe
die Platte geschnitten, geliefert und Angaben für die
kleine Typographie gemacht, die noch hinein musste.
Dann hat die Druckerei das Klischee gemacht und mit
der Typographie kombiniert. In diesem Fall bin ich dann
in Göttingen noch mal zum Andruck gewesen und habe
alle Probleme besprochen.
Hochhäusler:
Sie haben erzählt, dass es immer eine Einschätzung
des Verleihs gab, wie „kommerziell“ ein Film sei – und
daran war die Entscheidung für Farbe oder Schwarz/
Weiß dann gebunden. Das heißt, es wurde Ihnen immer
ein Kostenrahmen genannt?
Hillmann:
Ja, das war wesentlich. Die Neue Filmkunst hatte nie
viel Geld. Atlas Film war etwas besser dran. Das waren
Kinobesitzer. Kirchner und Schwier dagegen haben bei
Null angefangen. Sie waren Filmclub-Enthusiasten, im
Unterschied zu mir übrigens. Mein Filminteresse ist
erst durch diese Beschäftigung seit 1952 entstanden.


Montag, 5. Mai 2014

FLUGBLATT FÜR AKTIVISTISCHE FILMKRITIK


Heute wurde auf der Seite des Verbands der Deutschen Filmkritik das folgende Flugblatt „für aktivistische Filmkritik” veröffentlicht:
 
Wir blicken mit Sorge auf Film und Kritik.
Filmverleiher und Kinobetreiber haben in den letzten Jahrzehnten das Programmkino aufgegeben und es durch Arthouse ersetzt. Ein alternatives Programm zum Mainstream gibt es fast nirgends mehr. Mit dem Arthouse hat sich ein konventionelles und formelhaftes Kino durchgesetzt - unter dem Vorzeichen des angeblich guten Geschmacks. Abseits der Angebote der Verleiher bleibt der Kunst nur das Festival.
Festivals übernehmen punktuell die Aufgabe von Programmkinos. Gleichzeitig wachsen ihre Legitimationszwänge gegenüber Sponsoren, Verleihern und Förderern. Auch hier droht die Unterwerfung unter Marktlogik, Zielgruppenrelevanz und politische Interessen.
Freiräume müssen permanent erkämpft werden.
Parallel ist die Kritik in einer drastischen Zwangslage. Um zu reüssieren, muss sie das Denken an vorherrschende Normen und Marktgegebenheiten anpassen. Dabei büßt sie ihren unabhängigen Geist ein und wird zur Dienstleistung. Eigenständiges Denken wird von Reflexen abgelöst.
Wer das Denken abgibt, verliert die Fähigkeit, Bestehendes in Frage zu stellen. Rahmenbedingungen werden zum Alternativlosen erklärt. Visionen werden aufgegeben. Die finanzielle Perspektivlosigkeit darf nicht weiter in eine ideelle Anpassung münden.
Wer das Denken abgibt, lässt sich von Konsens und Kompromiss vereinnahmen. Eine produktive Streitkultur wird unmöglich. Kontroversen und Debatten sind jedoch die Grundlage für die Entfaltung von lebendigen Diskursen. Ohne Diskurs keine Kultur. Ohne Diskurs kein Wissen. Tatsächlich wird Unwissenheit gefördert.
Die Kritik ist am Zug. In ihr schlummert auch heute noch das Potenzial, wagemutige Positionen zu erforschen. Sie muss ihren passiven Pragmatismus überwinden und den Aktivismus für sich wiederentdecken.
Wir sind bereit, individuell und gemeinsam, eine aktivistische Kritik zu verfolgen.
Wir sind bereit, wirtschaftliche Risiken für sie zu tragen.
Aktivistische Kritik reflektiert ästhetische Programmatiken selbst dort, wo keiner danach fragt. Sie untersucht die gesellschaftlichen Dimensionen von Werken auch dann, wenn sie nicht thematisch werden. Sie blickt neugierig auf das vermeintlich Profane, verteidigt das Lustvolle, verdammt das Abgeklärte. Sie negiert den Begriff einer „bloßen Unterhaltung". Film und Kritik dürfen Spaß machen.
Aktivistische Kritik kommentiert kulturpolitische Zustände, deren Voraussetzungen und Limitierungen - auch dann, wenn dies keiner bestellt hat. Sie kontextualisiert Film in seinen Markt-, Produktions- und Fördergegebenheiten, um das Bewusstsein für sie zu schärfen und aufzuzeigen, welche Perspektiven verstellt sind.
Aktivistische Kritik ist subversiv. Sie unterwandert das auf den Lügen des Pragmatismus errichtete Gebäude. Sie setzt die Automatismen von Gefälligkeiten und Gefälligem außer Kraft.
Aktivistische Kritik beschränkt sich nicht auf Verlautbarungen, sie begibt sich aufs Terrain. Sie gestaltet und stachelt an.
Als erste Maßnahme aktivistischer Kritik begründen wir eine Woche der Kritik bei der Berlinale.
Den Missbrauch der Filmkritik als Dienstleistung nehmen wir nicht länger hin.
Dunja Bialas
Jennifer Borrmann
Frédéric Jaeger
Claus Löser
Dennis Vetter
Oberhausen, 04.05.2014

Wer das Flugblatt mit unterzeichnen möchte, wende sich bitte an web@vdfk.de. 

Mittwoch, 30. April 2014

ALLES BIO



Zwei Bilder aus Bertrand Bonellos SAINT LAURENT - über den Modegott Yves Saint Laurent, der von Gaspar Ulliel (und im Schlussakt von Helmut Berger!) gespielt wird. Unter den (vielen) biografischen Filmen im diesjährigen Cannes-Wettbewerb wahrscheinlich derjenige Film, von dem man am ehesten so etwas wie eine genuin filmische Vision erwarten kann.

Die anderen mehr oder weniger biografischen Filme: JIMMY'S HALL (Regie: Ken Loach. Ein Portrait des politischen Aktivisten Jimmy Gralton), MR. TURNER (Regie: Mike Leigh. Ein Portrait des englischen Malers J.M.W. Turner), FOXCATCHER (Regie: Bennett Miller. Die Handlung dreht sich um die wahre Geschichte des paranoid-schizophrenen Multimillionärs John Du Pont), CLOUDS OF SILS MARIA (Regie: Olivier Assayas. Angeblich eine poetisch gebrochene, fiktionalisierte Biografie von Juliette Binoche, die eine Variation ihrer selbst spielt). Auch Alice Rohrwachers LE MERAVIGLIE soll (auto-) biografische Züge haben. Nicht zu vergessen: der Eröffnungsfilm GRACE OF MONACO ist ein biografischer Film (der schlimmsten Sorte, fürchte ich) und auch Abderrahmane Sissakos TIMBUKTU basiert auf einer wahren Begebenheit.

Der Eröffnungsfilm der Reihe 'Un Certain Regard' versteht sich als „Portraitfilm”, im Mittelpunkt steht eine 60-jährige Nachtclubbesitzerin, die sich selbst spielt. Asia Argentos L'INCOMPRISE wird als „semi-autobiografisch” beschrieben. Die österreichische Regisseurin Jessica Hausner (eine alte Revolver-Verbündete) zeigt ihren Film über Heinrich von Kleist, AMOUR FOU - so weit ich sehe der einzige deutsch-sprachige Film in Cannes. Bestimmt kein klassisches Biopic, aber dennoch: ein Film über eine historische Persönlichkeit. usw

Ich glaube, man kann bei dieser Massierung biografischer Erzählung von einer Tendenz sprechen. Aber was sagt sie uns? Ist das eine Krise der Fiktion? Würde jedenfalls zu unseren anderen Krisen passen... 

(Eingestellt von Christoph)

Dienstag, 22. April 2014

NEUES RUMÄNISCHES KINO

„Anstatt sich eine Dramaturgie vorzustellen, die darauf gründet ständig zu erfinden, was als nächstes kommt, definiere ich den Hintergrund der Figuren, die soziale Realität und suche nach einer Dramaturgie, die darauf gründet, wie sich dieses Konstrukt verschiebt und verändert.”
 

RAZVAN RADULSECU 
(Co-Autor von MUTTER UND SOHN / TUESDAY, AFTER CHRISTMAS /
DER TOD DES HERRN LAZARESCU)

Zu Gast bei REVOLVER LIVE # 37
Am Freitag, den 25.4. / Um 20 Uhr / Roter Salon der Volksbühne


Mutter und Sohn
Tuesday, after Christmas
Der Tod des Herrn Lazarescu